Toni Burghart ist tot
Der Nürnberger Kulturpreisträger, Maler, Grafiker und Poet, ist mit 80 Jahren gestorben
Von Birgit Ruf aus den Nürnberger Nachrichten vom 30.12.2008:

Mit dem Tod von Toni Burghart verliert Nürnberg einen seiner vielseitigsten und beliebtesten Künstler: Der Maler, Grafiker und Poet ist, wie gestern bekannt wurde, bereits am Sonntag im Alter von 80 Jahren in Nürnberg gestorben.

Als wir vor wenigen Wochen ein neues Buch über Toni Burghart vorgestellt haben, ließ uns der Künstler über die mit ihm befreundete Autorin vom Krankenbett ausrichten, wie sehr es ihn gefreut habe, dass wir ausgerechnet sein Lieblingsbild abgedruckt haben: Das vom Alten Kanal aus den 90er Jahren. Zugegeben, es war purer Zufall, aber ein schöner. Als das Buch herauskam, war Toni Burghart bereits schwer krank. Aber, wie steht so treffend in geschwungener Handschrift auf dem Cover: «Wenn einer malt, wenn einer schreibt, ist es kein Wunder, wenn was bleibt.«

Bleiben wird viel von Burghart, denn er war ein Mann mit zahlreichen Talenten: Er war klassischer Maler, der abgesehen von einer kurzen abstrakten Phase immer dem Gegenständlichen treu geblieben ist und mit Vorliebe Landschaften – sein geliebtes Franken, aber auch Kenia oder Kroatien - malte. Er war Zeichner und Grafiker, der auf kleinstem Raum große Aussagen machte. Er war Wortakrobat, der dichtete und spitzfindig titelte.

«Langweiligste Großstadt Deutschlands«

Die typische Burghart’sche Grafik koppelt Aphorismen oder Reime mit Zeichnungen und Cartoons. Da gibt er in Schrift und Strich gleichermaßen gewandt und ironisch seinen Kommentar zu hiesigen und anderen Verhältnissen ab. Damals zum Beispiel, als Nürnberg als «langweiligste Großstadt Deutschlands« geschmäht wurde, zeichnete Burghart die Kaiserburg hinter einer gelben Sichel hervorspitzend: Hinterm Mond eben. «Die Kunst der Verknappung war immer mein Movens«, hat Burghart gesagt.

Er war viele Jahrzehnte lang eine feste Größe in der hiesigen Kunstszene, in der er seit 1952 freischaffend arbeitete. Und er war sicherlich einer ihrer beliebtesten Vertreter. Vielleicht weil er sich eben nicht auf einen Stil oder eine Arbeitsweise hat festlegen lassen. «Wissen Sie, die Vielfalt in meinem Werk kann man auch negativ sehen und behaupten: Der weiß ja nicht, was er will«, hat Toni Burghart im Sommer dieses Jahres bei einem Plausch im Fembohaus gesagt. Dort wurde anlässlich seines 80. Geburtstags eine große Retrospektive gezeigt.

Gelangweilt hat er sein Publikum nie, hat es mit farbsatten Landschaftsgemälden erfreut oder mit frechen, aber nie verletzenden Zeichnungen unterhalten – gerne zu Dürer und Nürnbergs brauner Vergangenheit. Er hat Buchcover, Werbeslogans und Plakate gestaltet, und wer schon einmal das Klassik-Open-Air besucht hat, kennt den von ihm entworfenen Vogel-Pin, den man dort kaufen kann.

Aufregung um einen Hund

Freundlich und zurückhaltend, so war Toni Burghart. Welchen Wesenszug er an sich selbst am meisten mag, ist er gefragt worden und hat geantwortet: «Dass ich die Menschen mag und die Tiere – und mich von Herzen an ihnen erfreuen kann.« Er hat sich nicht aufgedrängt – und wenn dann in seiner typisch humorvoll-verschmitzten Art. Wenn er nicht endlich den Großen Kulturpreis seiner Heimatstadt Nürnberg bekomme, so hatte er ganz sicherlich mit einem Lächeln auf den Lippen gepoltert, werde er nach Fürth ziehen. Die «Drohung« zeigte Wirkung: 1998 erhielt Burghart den geforderten Preis. Bereits 1993 bekam er den 1. Preis beim Kunstwettbewerb der Nürnberger Nachrichten.

Da lag die Aufregung um seinen Beitrag für das Dürer-Jahr 1971 weit zurück. Der Spaßvogel hatte sich damals erdreistet, Meister Dürer als Hund darzustellen. Das brachte ihm eine Menge Ärger, ja sogar Morddrohungen ein. Den «Dürer-Frevel« büßte er lange: «Rund zehn Jahre hat man mich links liegen lassen. Kaum einer, der noch was mit mir zu tun haben wollte. Die öffentliche Hand war als erste in Volldeckung gegangen.«

Dieses Zitat stammt aus dem erwähnten, neuen Buch «Einblicke«, in dem sich auch Burgharts Lieblingsbild vom Alten Kanal befindet. Regine Franzke hat die Lebensgeschichte des Künstlers aufgeschrieben und ihn dabei ausführlich selbst zu Wort kommen lassen, auch über die Kunst: «In der ernstzunehmenden Malerei gibt es für jeden falschen Strich die Todesstrafe und für viele richtige die Unsterblichkeit.«

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