Vampire für Mädchen und Liebe aus JungensichtFOCUS-SCHULE: Also immer noch Fantasy?
Bardola: Ich hatte das Ende schon prophezeit, aber gerade erschien der dritte
Band des Drachen-Epos „Eragon“, und mit „Der unsterbliche Alchemyst“ von Michael
Scott kam im Frühjahr der Anfang einer neuen, wirklich guten Fantasy-Reihe auf
den Markt. Im Schlepptau der „Bis(s) zum . . .“-Erfolge sind jetzt auch etliche
Vampir-Romane erschienen – von meist enttäuschender Qualität.
FOCUS-SCHULE: Und was wird für jüngere Leser geboten?
Bardola: „Crossover“ gefallen auch Bilderbücher wie das künstlerische „Ente, Tod
und Tulpe“ von Wolf Erlbruch oder das beinahe zoologische „Was ist da passiert?“
von Bruno Heitz. Diese Bücher können Erwachsene und Kinder auf verschiedenen
Ebenen verstehen, genauso wie die neuen „Graphic Novels“.
FOCUS-SCHULE: Noch ein Trend?
Bardola: Ja. Das sind dicke Comics in Buchform, fast oder ganz ohne Text, wie
das druckfrische „Ein neues Land“ von dem Australier Shaun Tan. Die Geschichte
einer Emigration, ohne ein einziges Wort, aber toll erzählt. Oder das
vielschichtige „Die Entdeckung des Hugo Cabret“ von Brian Selznick: 500 Seiten,
halb Roman, halb Comic, die auch Acht-/Neunjährige schon verstehen.
FOCUS-SCHULE: Zögerliches Lesepublikum sind ja immer die Jungen . . .
Bardola: Oh, für die bietet dieser Herbst tolle Bücher: zwei großartige
Liebesgeschichten – jawohl! – aus Jungensicht, etwa das
literarisch-nachdenkliche „Alles was du versäumt hast“ von
Günter Ohnemus oder
Friedrich Anis hochemotional-witziges „Meine
total wahren und überhaupt nicht peinlichen Memoiren mit genau elfeinhalb“. Aber
auch der klassische Abenteuerroman kommt wieder mit „Tom Scatterhorn und der
Saphir des Maharadscha“ von Henry Chancellor.
Andreas Steinhöfel hat eine Art Krimi
geschrieben, der aber auch viel über Freundschaft erzählt: „Rico, Oskar und die
Tieferschatten“. Die junge Sally Nicholls zeigt in „Wie man unsterblich wird“,
dass man auf federleichte Weise Kinder mit dem Thema Tod konfrontieren und sie
trotzdem herzlich lachen lassen kann.
FOCUS-SCHULE: Und für die Mädchen bleiben dann wieder nur die Pferdebücher?
Bardola: Nein, auch wenn es die natürlich immer geben wird. Diese leicht
konsumierbaren Reihen, wie auch die sehr erfolgreiche „Gossip Girl“-Serie, eine
Art „Sex and the City“ für Teenies (und Mütter), sind übrigens eine wichtige
Basis, von der aus die jungen Leserinnen sich zu anderer Lektüre aufmachen.
Große Mädchen (ab zwölf) werden Alexa Hennig
von Langes „Leute, ich fühle mich leicht“ mit der bekannten Heldin Lelle
lieben. Kleinere dürften „Betti Kettenhemd“ von Albert Wendt verschlingen. Betti
ist für mich die Pippi Langstrumpf des 21. Jahrhunderts!
[...diesen und
weitere Berichte finden Sie unter
-Schule]
Leseprobe I Buchbestellung 0209 LYRIKwelt © focus-Schule/Iris Röll