Bestseller mit Biss von Nicola Bardola, 2009Interview mit Nicola Bardola anlässlich seines Buches "Bestseller mit Biss".
Von Isabella von Team-Edward, 29.1.2009:

Team-Edward: Wie sind Sie zu ihrem Beruf gekommen? Was genau ist dieser eigentlich?

1. Nach dem Germanistikstudium habe ich ein Praktikum bei einer Literaturzeitschrift gemacht und danach als Redakteur (für buchhändlerische Werbemittel, später für das „Eselsohr“) und als Lektor (für die Internationale Jugendbibliothek und für cbj, der Kinder- und Jugendbuchverlag in der Verlagsgruppe Random House) gearbeitet. Seit zehn Jahren bin ich als Autor, Journalist, Lektor und Übersetzer tätig. Dieser freie Beruf ist vielfältig und beinhaltet Artikel für die Branchenpresse und Feuilletons von Tageszeitungen ebenso wie Vorträge zur Leseförderung.

TE: Wann und wie sind Sie auf die Biss Bücher gekommen?

Im Almanach „Lies doch mal! Die 50 besten Kinder- und Jugendbücher“ veröffentliche ich u.a. Empfehlungen von Buchhändlern. 2006 stellte die Sortimenterin Stefanie Perstat mit Begeisterung „Bis(s) zum Morgengrauen“ vor. Sie schrieb u.a.: „Die Sprache ist dabei so unverblümt und poetisch, realistisch und zeitgemäß, dass alle Ereignisse ihre drohende Gefährlichkeit verlieren und der Gedanke an Vampire mitten unter uns zur süßen Versuchung avanciert.“ Das hat mich neugierig gemacht. Ich las „Bis(s) zum Morgengrauen“ an einem Wochenende durch. Die Intensität des Romans bei gleichzeitiger Detailbesessenheit für die Gefühle der Helden überraschte mich. Damals war Stephenie noch ein Geheimtipp. Dann wurde sie für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert und gewann den Buxtehuder Bullen. Seither verfolge ich die Geschichte von Bella und Edward und Stephenies Karriere.


TE: Was zieht Sie - als Mann - an den Biss Büchern an?

Als männlicher Büchernarr lese ich viele Texte von Frauen. Virginia Woolf ist meine Lieblingsautorin. Als Literaturkritiker empfehle ich Schriftstellerinnen aus aller Welt. Stephenies Bis(s)-Bücher üben eine besondere Faszination auch auf Männer aus. Eine gut erzählte Liebesgeschichte begeistert alle. Und wo erfährt Mann schon so viel von den heimlichen Träumen der Frauen? Das Problem, dass die männlichen Bis(s)-Leser (bis(s)her) eine winzige Minderheit bilden (in Deutschland offenbar noch kleiner als im englischsprachigen Raum), liegt auch an den romantischen deutschen Buchumschlägen bei Carlsen. Die Taschenbücher bei Piper mit Motiven der Originalausgaben werden manch männliche Schwellenängste beseitigen.

Die Themen der Bis(s)-Bücher beschäftigen auch Männer, beispielsweise die feine Trennung zwischen Liebe und Freundschaft, zwischen Genuss und Enthaltsamkeit, zwischen Toleranz und Aggression. Und nicht zuletzt sollte die Gefühlswelt von Teenagern auch Väter interessieren. Meine Tochter ist 17 und die Bis(s)-Lektüre erleichtert manchmal die Verständigung auch bei heiklen Fragen. Schade nur, dass Charlie außer Fischen, Glotze und Job nichts im Sinn hat ;-)


TE: Was hat Sie dazu inspiriert, das Buch zu schreiben? Gibt es auch bei Ihnen eine Geschichte, wie die Idee zum Buch entstand?

Im Frühling 2008 durfte ich Stephenie für verschiedene Fachzeitschriften interviewen. Diese Begegnung hat mich beeindruckt. Obwohl äußerlich Bella und Stephenie vollkommen verschieden sind, erkannte ich die Gemeinsamkeiten. Die auffälligste: Niemand, nicht einmal Edward, kann Bellas Gedanken lesen. Und so hatte ich das Gefühl, dass Stephenie sich nicht in die Karten blicken lässt. Sie hat mir viel erzählt, aber fast noch interessanter war, was sie mir nicht gesagt oder nur oberflächliche beantwortet hat: „It’s just fun“, wiederholte Stephenie, wenn ich Auswirkungen des Fühlens und Denkens ihrer Figuren auf die Wirklichkeit der jungen Leserinnen zurückverfolgte. Stephenie betonte, dass sie keine Botschaften in ihren Romanen verpackt. Und doch ist offensichtlich, wie viel die Leser über Moral und Leidenschaft in den Bis(s)-Büchern erfahren. Stephenie und Bella stellen die schwierige Frage nach der Liebe über den Tod hinaus. Beide wären bereit, für die Liebe zu sterben. Stephenie für ihre Kinder (so schreibt sie in einer Widmung), Bella für Edward. Ein Motiv, das auch im Mittelpunkt meines Romans „Schlemm“ steht, worin ein altes Ehepaar nach einer langen Ehe beschließt, gemeinsam zu sterben. Keiner will das Grab des anderen sehen.

Bis(s)-Bücher sind nicht nur Lesefutter. Sie regen auch zum Nachdenken an und können die Wahrnehmungsfähigkeit steigern. Wie gute Liebesromane immer sensibilisieren Stephenies Bücher für Beziehungsfragen.

TE: Beim Lesen Ihres Buches wird klar, dass Sie ein recht großes Detailwissen, besonders über die Hintergründe und Figuren, haben. Wie haben Sie sich dieses Wissen angeeignet?

Meine erste und wichtigste Quelle waren die Bis(s)-Bücher selbst. Ich habe alle ein zweites Mal gründlich mit dem Bleistift gelesen. Dabei habe ich viel Neues entdeckt. Ich bin in die Twilight-Welt eingetaucht, um dann wieder aufzutauchen und Abstand zu nehmen. Aus der Ferne habe ich einzelne Teile neu zusammengesetzt. So ist beispielsweise mein Porträt Edwards entstanden. Ich beschreibe seine äußerliche Perfektion von Kopf bis (fast) Fuß (zugegeben, über seine Beine sagt Bella wenig) und seine innere Zerrissenheit, seine Zweifel, sein Gefühl, der Situation nicht gewachsen zu sein. Ähnliches habe ich mit Bella versucht. Später kamen Informationen aus offiziellen und inoffiziellen Webseiten hinzu – vor allem auch aus www.team-edward.net – und aus Fachliteratur, beispielsweise aus Sachbüchern über Vampire und Werwölfe.

TE: Glauben Sie an Vampire? ;)

Ich war überrascht, wie viele - vor allem jüngere Leserinnen - die Existenz von Vampiren nicht ausschließen. Nein, Vampire gibt es nicht. Hallo Mädels, Stephenie selbst betont das immer wieder! (Aber Träumen ist erlaubt.)

TE: Was glauben Sie, ist der Grund dafür, dass die Biss-Bücher Leser jeden Alters so faszinieren?

Die Zeit als Teenager ist schwierig und verwirrend. Oft weiß man nicht, wie einem geschieht. Die Bis(s)-Bücher können eine Orientierungshilfe für alle sein, die grad drinstecken. Für alle älteren Leser können sie schöne Erinnerungen wachrufen und nachträglich Erklärungen für scheinbar unerklärliches Verhalten liefern. Bis(s)-Bücher sind All-Age-Literatur, die für generationsübergreifende Verständigung sorgen können.

TE: Wie schätzen Sie die Qualität der derzeitigen Jugendliteratur ein?

Das kann man nicht verallgemeinern. Es gibt Massenware und literarische Perlen. Wichtig ist, dass in den Buchhandlungen auch auf besonders wichtige Bücher hingewiesen wird.

Lange Zeit wurde von Verlagen und Fachleuten der Wunsch geäußert, nebst den bestehenden Preisen für Kinder- und Jugendliteratur einen weiteren zu etablieren, der künstlerisch und literarisch nicht so hohe Ansprüche stellen sollte wie der Deutsche Jugendliteraturpreis. Doch wer entscheidet, welche Bücher zu schwierig für Kinder und Jugendliche sind?

Bei der Definition des neuen Preises wurde der Frage nach den Auswahl- und Qualitätskriterien eine weitere hinzugefügt: Nämlich der Wunsch nach Förderung deutschsprachiger Autoren, indem der neue Preis nur für sie ausgelobt werden sollte. Diese Idee wurde verworfen. Dass wir aber auch hierzulande sehr gute Autoren haben, zeigen meine Tipps unten und in meinen „Lies doch mal!“-Büchern.

[...diesen und weitere Artikel finden Sie unter www.team-edward.net]

Leseprobe I Buchbestellung 0209 LYRIKwelt © Team-Edward