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| Foto: Anita Schiffer-Fuchs www.foto-poklekowski.de |
Von
Geistern belauert
Autor Friedrich
Ani über Religion, Demut und Suizid
Von Franziska Nau aus dem Münchner
Merkur, 25.8.2006:
Ein ehemaliger Mönch auf Verbrecherjagd, Morde, die sich als Selbstmorde lesen lassen, und zwölf Apostel, die verzweifelt versuchen, im Chaos ihres Lebens sich selbst nicht zu verlieren. Der neue Krimi des in Kochel am See geborenen und in München lebenden Autors Friedrich Ani, "Idylle der Hyänen", zeichnet ein kaleidoskopartiges Bild der Münchner Gesellschaft.
Der
Titel Ihres neuen Buches bleibt auch nach der Lektüre rätselhaft.
Friedrich Ani: Die Frage des Selbsttötens ist der Hauptakkord des Romans. Die
Hyänen sind die Geister in einem, denen man nicht entkommt. Und Idylle deshalb,
weil selbstmordgefährdete Menschen ganz unauffällig wirken, ihnen aber Hyänen
innewohnen.
Warum dieses Thema?
Ani: Das Thema war nicht das erste, was da war, sondern die Figur der Nonne mit
ihrer Vorbelastung, die das Erbe des Selbstmords verwaltet. Es gibt ja die
Theorie vom vererbten Selbstmord. Der Selbstmord ist eines der letzten Tabus
unserer Gesellschaft. In den USA etwa ist die Zahl der Selbstmörder höher als
die der Aidstoten. Das nehme ich wahr.
In Ihrem Buch gibt es Personen, die Selbstmord grundsätzlich verteufeln,
und andere, die ihn ihr Leben lang herbeisehnen. Was entspricht eher Ihrer
persönlichen Einstellung?
Ani: Ich halte ihn für eine legitime Art, das Leben zu beenden.
Im Buch kommen viele religiöse Anspielungen vor.
Ani: Es geht ja um Religion, die wieder sehr zeitgemäß ist. Man denke nur an
die ganzen Fanatiker. Darüber hinaus wird Religion wieder als
gesellschaftliches Kommunikations-Element begriffen. Was mich betrifft: Ich habe
ein entspanntes Verhältnis zur Religion, bin aber religiös - noch dazu
katholisch, obwohl ich mit der Führung des Vereins unzufrieden bin. Für mich
hat die Natur einen Sinn, Menschen nicht, weil sie die Botschaft der Natur nicht
verstehen.
Religiös und trotzdem akzeptieren Sie Selbstmord?
Ani: Eigentlich - und diese These kommt auch in meinem Roman vor - war Jesus
doch der erste Selbstmörder der Kirche. Er wollte doch sterben oder nicht?
Ihr Buch entspricht nicht dem gängigen Krimi-Klischee.
Ani: Die Lösung des Falles ist ja auch nicht der Sinn des Weges. Der Sinn
meiner Bücher ist es, in die schlecht beleuchteten Zimmer unscheinbarer
Menschen zu schauen. Sie haben es schwer, aber sie versuchen es. Das Erzählen
von diesen Menschen, von Innenwelten, sehe ich als meine Aufgabe.
In welcher Beziehung stehen die Personen des Romans zu Ihnen, dem
Schriftsteller Ani?
Ani: Jede Figur ist ein gewisser Teil von mir. Die Herausforderung beim
Schreiben ist es unter anderem, plötzlich jemand zu sein, der man nie sein
wollte. Mich selbst gibt es eigentlich nur durch meine Figuren. Ohne sie gäbe
es Friedrich Ani vielleicht schon gar nicht mehr. Wenn ich schreibe, bin ich
diese Figuren. So sehr, dass manchmal die Rückverwandlung verwirrend ist.
Kommissar Fischer sagt einmal: "Man soll sein Leben nicht allzu
persönlich nehmen."
Ani: Dieser Satz drückt die Demut aus, die Fischer, der einstige Mönch, vor
der Schöpfung empfindet. Das eigene Leben ist nur geliehen und wir Menschen
sind in die Welt geworfen und nur ein Teil des Großen.
Es gibt in Ihrem Buch aber nicht nur die eine Hauptfigur. Ist das im
Krimi-Genre nicht ungewöhnlich?
Ani: Ja, es gibt mehrere Hauptpersonen, eigentlich drei gleichwertige. Das mache
ich aber nicht etwa, um mich von anderen Autoren abzugrenzen. Das ist einfach
meine Art.
Ihr Buch erweckt den Eindruck, dass es Taten gibt - etwa die Misshandlung
eines Kindes -, die Mord rechtfertigen.
Ani: Nein. Es mag Notwehr geben, aber Mord beinhaltet immer Vorsatz. Die
Interpretation, ob es sich bei meinen Fällen um Mord handelt oder nicht,
überlasse ich aber bewusst dem Leser. Er soll das Buch nicht mit einer Lösung
weglegen, sondern darüber nachdenken.
Das Buch endet sehr offen. Gibt es eine Fortsetzung?
Ani: Polonius Fischer und seine Kollegen werden mit Sicherheit in weiteren
Büchern vorkommen. Mehr möchte ich nicht verraten.
[...diesen und weitere Berichte finden Sie unter www.merkur-online.de]
Leseprobe I Buchbestellung 0806 LYRIKwelt © Münchner Merkur