Das
las ich gerade des Aigners Gedankenblitze....
Über
Christoph Wilhelm Aigner
von Klaus Funke
im August 2004:
Da las ich gerade des Aigners Gedankenblitze, las von stromaufwärts fahrenden Träumen, von Streit, von Erhebungen - und wurde, verdammt nochmal, nicht schlau daraus, nein, nicht klüger, wissender, berührter, betroffener, sondern wütend, zuerst über mich, dass es mir beim besten Willen nicht gelingen wollte, den Schlüssel, den Code zu finden, mit dem sich mir Aigners Zeilen öffnen könnten. Es blieb eine zugeschlagene Tür, hinter der ich Geheimnisvolles vermute, Gedankentiefe, Welterkenntnis und Menschenerkennen, doch ich konnte nichts hören, nichts sehen, riechen, schmecken - alles blieb mir zugesperrt. Nun frage ich mich: Bin ich zu unvollkommen, zu dumm, zu wenig offen für Derartiges. Nein, es ist Prinzipielleres! Wenn Lyrik den Leser nicht sofort zwischen die Augen trifft, wenn Inhalt und Form nicht sofort zum Sinneserlebnis werden, wenn man also "denken" und "rätseln" muss, was er denn gemeint haben könnte, der Dichter, dann ist die Wirkung verpufft, dann schwebt das Gedicht, unaufgesaugt, in Zeit und Raum und kreist als ewiges Fragezeichen um den Planeten. Kann der Stadtschreiber Aigner das gewollt haben? Kann er nur sich selbst, seine eigene Sinnenbefriedigung im Auge gehabt haben? Leider, und dies mag eine lyrische Bildungslücke sein, kenne ich zu wenig von Herrn Aigner, die hier vorgestellten Gedichte aber führen mich nicht zu ihm hin, sondern von ihm weg, doch vielleicht ist es gut so, diesem Dichter nicht näher zu begegnen, denn er wird mich nicht sehen, er sieht nur sich, autistisch und egomanisch, wie ich ihn mir nun vorstelle. Schade!
Klaus Funke, Dresden im August 2004