Dieter Zwicky

Slugo
(Zitat aus: Slugo, Ein Privatflughafengedicht, 2013, edition pudelundpinscher).

Judith, das Essen ist fertig!
   Ich rufe so froh, so frisch, weil ich auf dem Flughafen
koche.

Wir erwarten Robert, hier, im Küchenareal des Flughafens.
   Robert wird uns mit dem Nachmittagsflugzeug erreichen,
Ankunft deutlich vor dem Abend, dem Abendessen.

Ich habe soeben aufgetischt.

Hilfe nehme ich nicht in Anspruch, hier nie. Das Flugfeld
bietet ja allen Komfort.

   Die Löschfahrzeuge, die eisenbekappten Wasserstrahler,
die Schlauchbehälter mit ihren fluoreszierenden Dreh-
meldern, die spiegelreinen Helmaussenhüllen, die Vorspül-
düsen mit ihren Fingerstücken wie Revolvergriffe aus
Plastilin; alles ausgerichtet.

   Alles ist blitzsauber, die beiden Hangars glänzen.
   Die Dielen sind neu gestrichen, gar einer sekundären
Nachmetallisation unterzogen und in der Folge mit schwerer
Ulme ausgekleidet worden.

   Kleingetier, bis auf die Spinnen, entfernt.

   Hunderte, wohl Aberhunderte von Ausbesserungen sind
vorgenommen worden während all jener Momente, in
denen die anwesenden Menschen sich die Augen zukniffen,
um, wie geblendet oder blind oder vergeistigt, insgeheim
eifersüchtig, vor diesem Zeugnis der Arbeitswut zu verhar-
ren wie ein Trupp Trauernder.

(...)

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