Höhle
Aus dem Zyklus: „Gedichte an eine Waise“ (Cтихи
сироте), Nr. 3
(Leseprobe aus:
Drei Gedichte von Marina Zwetajewa, 2012, Jakob Kirchheim Verlag, hrsg. und
übertragen von
Iwona Mickiewicz)
Könnte ich – packte ich’s
In den Bauch einer Höhle:
In die Höhle des Drachens,
In’s Dickicht des Panthers.
In die Pantherpfoten –
– Könnte ich – packte ich´s.
Der Natur – in den Leib, der Natur – in den Bau.
Könnte ich – meine eigene Pantherhaut
Legte ich ab …
– Gäb’ sie dem Dickicht – mit auf den Weg!
Dem Bachigen, Buschigen, Schlundigen, Laubigen, –
Dahin, wo im Schlummer, im weichen Gewirr, im Trüben,
Die Zweige sich endlos in Liebe umhüllen …
Dahin, wo im Granit, in der Baumrinde, der Milch der Büsche
Sich die Hände umhüllen in Liebeswünschen –
Wie Zweige – und Flüsse …
In die Höhle ohne Licht, in’s Dickicht ohne Fährte.
Inmitten von Laub, im Efeu, im Efeu – wie ein Gefährte …
Kein Licht, kein Brot, nicht weiß, nicht schwarz:
Im Tau, inmitten von Laub, von Laub – wie verwandt …
Damit´s an der Tür – nicht klopft,
Auch – in das Fenster nicht schreit,
Damit´s nicht geschieht – ab heut’,
Damit’s bis auf ewig – bleibt!
Doch zu wenig – der Höhle,
Zu wenig – des Dickichts!
Könnte ich – packte ich’s
In die Höhle – des Bauches.
Könnte ich –
packte ich’s.
(27. August 1936, Savoyen)
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