Ekkehard Zerbst

Eine Wundersame...

Eine Wundersame

bewahrt sich animalisch

kann Impulsen folgen

Strecken, Gähnen,

und lauthals lieben.

Wenn sie breitbeinig steht

sieht man den Baum

der Wurzeln schlägt:

augenblicklich

Wo immer sie ist

ihre Wurzeln gedeihen zu jeder Zeit

unter jedem Himmel auch nachts

und in Menschenmengen

Wach sein

reden und lachen

kann sie am besten

im Menschenstrom

Ihr Genuß ist dies Leben

das Gewürze zu Tonleitern spielt

ein Festmahl garniert

mit erlesnem Geschmack

Ihr Fragen sprengt Grenzen

setzt Diskussionen in Gang

läßt sie flammen

und sich verbreitern

sobald es zu heftig wird

beginnt sie zu lachen,

und löscht die Erregung,

wird Strom neuen Frohsinns

Lachen, Lachen,Lachen

sie lacht nicht über dich

sie lacht nicht über jemand

sie muß einfach lachen

und kümmert sich

keinen Deut drum wer Recht hat

Es ist ihr gleichgültig

es hat keine Bedeutung

Sie meint: Alles stirbt,

woran man sich hält,

Menschen ziehen

im Strom: vorbei

Ihr wärt überrascht, sagt sie

wenn immer die gleichen Gesichter

auftauchen im Strom,

überrascht wärt ihr und gelangweilt

Nur Trunkne und Narren, sagt sie

haben die Wahrheit

und Unwichtiges fallen gelassen

gegen Chaos vertauscht, dort ist ihr Reichtun!

sie schreibt dann Geschichten

zum Beispiel:

"Alle Häuser verschwanden

unter dem Meer"

Mit beiläufiger Meisterschaft

wird wenig erzählt und viel beschworen

niemals kommt sie ins Raunen

oder fällt in Geheimnis

Ihre Geschichten führen

zu Verstecken, an geheime Orte

aber rechtzeitig verbindet sie

dem Leser die Augen

Unerhörte Begebenheiten

ereignen sich lautlos

Pathos und poetische Kühnheit

plaziert sie an unauffälliger Stelle

und sagt irgendwann:

wenn ich als Kind

etwas für mich allein behalten wollte

musste ich es verstecken....

(1987)

Rezension I Buchbestellung IV02 © LYRIKwelt