Die Sonne und der Mann von Nevzat Yalcin, 1997, Haag+HerchenNevzat Yalcin

Wer bist du?
(aus: Die Sonne und der Mann, Lyrik+Prosa, 1997, Haag+Herchen - Übertragung Gerhild Yalcin)

"...und die Hunnen waren in Germanien"

Ich frage mich oft: Wer bist du und wer bin ich?
Wie und warum kamst du aus dem Westen, ich aus dem Osten?
Nichts als das Wasser, das wir durstig trinken,
Geht getrennte Wege, wie wunderbar hat Gotte das eingerichtet.

Ein Kettenglied zerbricht, wenn ich einen Tag von dir getrennt verbringe.
Nur das Gefühl deines Atems bringt dieses verlorene Glied zurück.
Hast du jemals bedacht, was uns zusammenhält,
Mich, den unsteten Dichter aus dem Osten, und dich, die in Ordnung Lebende?

Blumensamen begegnen und vermehren sich manchmal im Wind.
Wie der Wind, der vor langer Zeit von Asien herüberblies.
Etwas muß zurückgeblieben sein aus jener Zeit, versteckt in dir.

Mein Herz ist ein brennender Ofen und du bist ein dampfender Brotlaib.
Mal bist du ein weich fließender Bach, mal ein unbändiger Strom.
Bist du eine Germanin oder eine Hunnin, ich weiß es nicht!

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