Schrei des Ostens
(aus: Die Sonne und
der Mann, Lyrik+Prosa, 1997, Haag+Herchen - Übertragung Martin Cern)
Wenn jenseits goldener Hügel von der Sonne
geschmolzene Berge sind,
Was hämmerst Du dann auf Deinem Amboß, o Gott
des Feuers, lahmer Vulkan?
Was funkelt seit den Tagen des alten Rom und des
alten Griechenland,
Und warum, o Vulkan, ist der Westen nicht dort, wo
die Sonne untergeht?
Wenn das Schicksal zuweilen hart wie ein nahender
Sturm
daherkommt,
Warum fließen dann Milch und Honig allein im
Westen?
Der Osten, der der Sonne das Leben schenkt, sieht
immer nur Blut.
Wo ist die göttliche Gerechtigkeit, und wo bist Du,
Gott?
Eine Saat wurde gesät im alten Griechenland und im
alten Rom,
In zweitausend Jahren zärtlich gezogen,
Mit der Sonne und dem Wasser, gewonnen aus dem
Osten.
Alexander, Kreuzzügler und zivilisierte Räuber
Haben von dort das Licht gestohlen und sagten:
"Diese Fackel gehört und!"
Wie ironisch kann das Schicksal sein: Der Osten
weint nun im Dunkel, der Westen lacht.
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