|
|
Betrachtungen
(aus: Leben und Schreiben,
Essays, 2003, Büchergilde
Gutenberg)
Aus den Essays
(…)
Denn über die Schwierigkeiten hinaus, sich selbst mitzuteilen, ist da noch die unendlich größere Schwierigkeit, man selbst zu sein. Diese Seele oder dieses Leben in uns stimmt keineswegs mit dem Leben außerhalb von uns überein. Wenn man den Mut hat, sie zu fragen, was sie denke, so sagt sie immer genau das Gegenteil von dem, was andere Leute sagen.
Der Mensch, der seiner selbst gewahr ist, ist hinfort unabhängig; auch langweilt er sich nie, und das Leben ist nur allzu kurz, und er ist völlig durchtränkt von einem tiefen, doch maßvollen Glück.
Keine Tatsache ist zu gering, um sie durch die Finger gleiten zu lassen, und neben dem Interesse an den Tatsachen selbst gibt es die seltsame Macht, die wir besitzen, Tatsachen durch die Einbildungskraft zu verändern. (S.61)
Alle großen Schriftsteller haben ja eine Atmosphäre, in der sie sich am wohlsten fühlen und am besten zu entfalten scheinen; eine Gestimmtheit des großen Zeitgeistes, den sie deuten und eigentlich beinah entdecken, so daß wir sie schließlich um dessen willen lesen und nicht um irgendeiner Geschichte oder einer Gestalt oder Szene willen, die als solche besticht. (S.63)
Rezension I Buchbestellung II03 LYRIKwelt © Büchergilde Gutenberg