Knud Wollenberger

Schlafen und Träumen des sanftlebenden Fleisches (zu Wittenberg und) zu Erlangen

Werner Söllner
Der Schlaf des Trommlers

Nacht, gelb
von Gewittern, die Häuser
sind leer, im kühlen Grund
wo der Holunder sich hält
schlafen die Schläfer
sich aus der Welt

Aber der Hüter geht
unruhig, im flackernden Traum
geht er schwer, er rührt
die Trommeln aus Stein
und ruft mit der Schierlingsposaune
das verstreute Gebein

Sie stehn auf
und kauen den Mohn, sie reden
mit dem unruhigen Vieh, sie fragen
die Mäuse nach Brot
und ziehen eiserne Nägel
sich aus dem Tod

Grund, kühl
vom Vergessen, da war ich
mit Pechmarie, hatte Liebstöckel
im Mund, im hölzernen Kleid
steht der Trommler
in zerrisssener Zeit

 

Eine zum Teil doch wohl naive Gedichtinterpretation

Der Titel, den ich mir gefunden habe, mag eigenartig erscheinen, er wird aber im Laufe der Interpretation erhellen, da seien Sie nun versichert.   In der von Professor Theo Elm bei Reclam, Stuttgart, herausgegebenen Anthologie "Lyrik der neunziger Jahre", in deren Vorwort er das Jahrzehnt zu ordnen weiß in die Gegensatzpaarung Ulla Hahn / Durs Grünbein, die ich als sinnvoll mitvollziehe, fand ich erst, zugegeben das, bei zweitem Lesen das Gedicht "Der Schlaf des Trommlers" von Werner Söllner, so bemerkenswert, das es sich nun unauslöschlich in das Gedächnis mir und Ihnen auch ätzten sollte.

Jedoch, ist mit der Gegensatzpaarung, ein Rezensent empfahl gar voller deutschem Humor, sie nun wörtlich zu nehmen, die gesamte deutsche Lyrik denn erfaßt?   Nun, ich möchte ihm, dem Rezensenten, nicht in der Uniform der Wehrmacht begegnet sein in einem Traume.    Ich denke nicht, auch wenn der Gegensatz für die mehrsten Poeten Deutschlands zutreffen mag, die Gedichte Werner Sollners sprengen ihn auf.

Die Gegensatzpaarung gilt damit schon nicht für alle in diesem Band versammelten Gedichte, und dem Herausgeber ist anzurechnen, das er nicht die Praxis der Theoriebildung anglich, wie das so oft ja geschieht.

Mochte man in Siebenbürgen - wie auch in der Bukowina - von Deutschland träumen, übersiedelte man nach Westdeutschland, dann doch in eine deutschsprachige, einen freundlich aufnehmende Fremde.

Aber ist denn dieses Land von Aldi-Baracken und Karstadt-Beton und den sozialen Wohnungsbauwaben Deutschland?

Wir waren bis in die Wende hinein alle doch kleine wohlerzogene Russen oder US-Amerikaner, je nach Geburt und Wohnsitz, hier oder dort, und so etwa ist das große Verdienst des genialen R. D. Brinkmann genau seine große Schwäche, nämlich, das er die Botschaften des zuvorderst californischen Beats genial in das Deutsche hineinbrachte und in ihnen, nun ja, steckenblieb.  Die Trümmergrundstücke und die amputierten Sinnsucher Nachkriegsdeutschlands bleiben Rand, wahrgenommen, so, das, immerhin, ja.  Brinkmann will diese Botschaften, verständlich das, ganz, und hat dazu seine nationale Vergangenheit zu verdrängen, die keine weit über hundertjahrige Gesetzeskontinuitat etwa kennt, nun, das schöne Frankreich nebenan erlebte in der Zeit, wieviele, ich glaube, drei Königreiche und fünf Republiken, aber nie war so die Diskontinuität die Regel, wie in Deutschland in der Besetzung, diktatorisch, vom ersten Tag an das, durch die, ja, deutschen Nationalsozialisten.

Mussolini etwa war anders, er war, anders als General Franco, jedoch zu nahe daran, zu verstrickt, sonst hätte er wie sein antikommunistischer Bruder Frei, das ist ja die deutsche Übersetzung, sehr wohl überleben konnen, etwas mehr an wenig aufrichtiger Schaukelpolitik vorausgesetzt nun. Und unmenschlicher, ist es erlaubt, da die deutsche Steigerungsform zu verwenden, als im Spanien Francos ist im bella Italia Mussolinis nun wirklich nicht gefoltert worden. Und zur Ermordung Lorcas hat man nichts Vergleichbares in Mussolini-Italia aufzubieten, nun, die Italiener hängten ihn tot, man war ja Italiener, mit den Füßen nach oben in der norditalienischen Luft auf, zu recht geschehen das, indessen über Spanien die Sonne noch heiter antikommunistisch ihre Runden drehte in den blauen NATO-Himmeln, bis der Körper des Generals in die bekannte biologische Lösung einstimmte, wie sie so kurz nach ihm denn etliche Politbürokraten traf, nachdem man einander noch erstaunlich nahekam.  Das ist gut bei Volker Braun nachzulesen.

 

Zurück nach Deutschland nun.

So tobten wilde, zufällig deutschsprachige Beats durch eine westdeutsche vergangenheitsverarmte Landschaft, und das im vollkommen unbewußten Schulterschluß mit den Konsallik-Generationen. 

Schluß mit Vergangenheit.   Fühle ich mich etwa persönlich schuld, nein, ich doch nun nicht, oder?   Gnarde einer späten Geburt.

Lesen Sie hierzu etwa die Autobiographie des Poeten Hadayatullah Hübsch aus Frankfurt/M., um sinnlich zu erfahren, was ich meine.

Über den Sonderweg einer zur DDR verkommenen deutschen linken Utopie wollen wir hier wenig reden, geronnener, fast verewiger Nachkrieg, sie. Nach dem Kriege gab es ja in manchem Land in Westeuropa Dollarshops, wo frei zu kaufen war, was sonst nicht zu kriegen war.

Das verewigte die DDR nun, für ihren langanhaltenden, verkommenen Endzustand, und das was ihrer Elite doch wohl so klar wie nur was, im Koko - Intershop - System.  Fast ein Verdienst, das ihre Elite nicht zynischer wurde damit.  Nun, im Nachhinein, ist jetzt  kluges Daherreden einfach und so zu Schlußverkaufspreisen zu haben. Dieser Endzustand ist in Professor Uwe Kolbes frühen Gedichten gut beschrieben.  Die meißten davon in kleiner Auflage in der DDR erschienen.   Bückware.

 

Nun, zurück zum Gedicht des 1951 in Rumänien geborenen Poeten Werner Söllner. Gewissermaßen signiert wird der Titel des Gedichtes, auf den hier noch näher eingegangen werden wird, indem der Autor zum Titel seines Gedichtbands ihn wählt, 1992 so bei Ammann erschienen in Zürich, man darf annehmen, das er sich selbst da sieht naiv so eben im Bilde des Trommlers, im Nachvollzuge welcher Geschichte, nun, aber darüber hier viel zu reden, jetzt, würde alle naive Sicht des Gedichtes zerstören, und auch der Lektor im Schweizer Verlagshaus und der Herausgeber der Anthologie  müssen das so gesehen haben, ohne mein Verdikt nun auf sich anzuwenden: Ganz, völlig naiv nun das, das sei sehr betont hier und ganz deutlich gesagt.

 

Also: Bleiben Sie in der Linearität des sich ja fortschreibenden

Textes, wird er Ihnen auch etwas lang, langatmig, ich komme noch auf den glühend heißen, überraschenden Punkt, na, vielleicht auch weniger überraschend, so finden Freunde von mir jedenfalls.

Und wenn ich mir im Traume, das sei hier fingerwinkend auch gesagt, ein deutschsprachiges Verlagshaus aussuchen dürfte, wo meine Gedichte erscheinen sollten, nun, ich würde im Schlafe doch "Ammann" in Zürich sprechen, traumklar das.  Deutlich, dieses??

 

Nun, nach dem die Situation des Gedichtes "Der Schlaf des Trommlers" traumhaft ja herstellenden Titel hebt das Gedicht  an mit einer Naturbeschreibung, in der ein Fehl der Menschen ausgesprochen ist.  Sie, die Menschen, wohnen nicht (mehr) in der Landschaft, die aufgetan wird, "die Häuser sind leer", und mit "im kühlen Grund", nicht "Grunde", wird die deutsche literarische Romantik, "In einem kühlen Grunde / Da geht ein Mühlenrad..." Eichendorffs herbeigerufen, in der die Menschen, die "Schläfer / sich aus der Welt" schlafen, die Romantik hat sich in ein böses, schwarzes Gegenteil verkehrt, wie das kommt, also der Weg dahin, darüber schweigt der kurze Text nun.  Es ist einfach so.

Verstrickungen, gar das Eingeständnis einer Mitschuld, nichts davon, davon jedoch im nächsten Gedicht Werner Söllners einiges.

 

In der zweiten Strophe führt sich ein:  "Der Hüter" - "im flackernden Traum", dort ruft er, der dort "die Trommeln aus Stein" rührt, mit der Schierlingsposaune, nun, wie schon Sokrates Wort zeitlos wurde, indem dieser den tödlichen Schirlingsbecher austrank, und wer die Geschichte genau kennt, weiß das Maß an auf uns überkommener Freiwilligkeit in diesem Tun und nicht Tun des Sokrates.

 

In der dritten Strophe geht das Gedicht nun auf die Gemahnten ein,

eingeführt sächlich am Ende der zweiten Strophe schon im

"...er.../...ruft.../ das verstreute Gebein", das dürfte etwas verstörend, aufstörend, jumpcuttend die Absicht des Autors sein, etwas näher kommend nun weiblich fortfahrend er.  Versuchen Sie mal die dritte Strophe mit einen sachlichen es zu lesen, so werden Sie sinnlich erfahren, was ich meine.  Sie "kauen den Mohn", ergo, stehen unter Droge, und "sie reden mit dem unruhigen Vieh" nun, das scheint immer so da zu sein, jedenfalls, es findet es sich wieder im in der Anthologie folgenden Gedicht Söllners, wo diese Unruhe verursacht ist durch "das gelbe Hornissengewölk", hier "eingewicklt in die dunklen Tücher des Mittags", merken sie auf, das romantische "e" ist fort, da steht eben nicht dunkelen, die " blaue Blume" nun, die die armen Geschöpfe, die dem Tode anheimfallenen, anheimgefallenen Juden Celans noch aussprechen, gewissermaßen aushauchen dürfen in dem so auf uns überkommenen "träumet" der "Todesfuge".

Die Bukowina ist so weit nicht von Siebenbürgen weg, von Deutschland aus gesehen, auch eine tote Landschaft, in, nun, ja doch, in den Dichtern Deutschlands aufgehoben.

 

Im nun vorgewittriges Naturtheater, das das Gedicht "Siebenbürgischer Heuweg" auftut, verbleibt es abhanden, ich rede von der Anthologie Elms, das blaue "e" der Romantik. Das zweite Gedicht "Siebenbürgischer Heuweg" nun riecht formlich nach Celan, es endet mit nun "Gras", und wenn man das Celansche Zitat "Gras, auseinandergeschrieben", hintankleben würde, man bliebe im Rhythmus der Sprache des Gedichtes. Sie merken, was ich damit andeuten will?

Das Gedicht nun, "Der Schlaf des Trommlers", spielt schon in einer bedrohlichen "Nacht, gelb von Gewittern" nun, die dritte Strophe, wie schon Brecht sagt über den Menschen, "dann braucht er was zu Essen, bitte sehr", in dem ganz anderen Duktus des Gedichtes nun viel weicher, hinnehmender fragen sie, die Menschen, "die Mäuse nach Brot", nach der täglichen eigentlichen Nahrung, die nun aber nicht gekaut wird sondern der "Mohn", sie bemerken die Verwandschaft zur "schwarzen Milch der Frühe" Celans, und die dritte Strophe endet mit einer traumhaften versuchten Rücknahme des erfahrenen Todes, "sie.../...  ziehen eiserne Nägel / sich aus den Tod", nun, ein die unheilvolle Berührung, der Biß des traumhaften rumänischen, nun, ganz Mitteleuropa kennt ihn ja gut, den transsilvanischen Grafen Dracula andeutende Bemekung, und wer gebissen, infiziert ist, vorzüglich blonde glatthäutige Filmschönheiten mit schmachtenden Augen, der kann, und muß ja auch, so will es die Sage, geheilt werden, dadurch, das ihm ein Nagel brutal durchs den Schadel oder durch das Herz getrieben wird.

 

Die vierte Strophe des Gedichtes "Der Schlaf des Trommlers" bringt den kühlen Grund, ich vermute doch, Eichendorffs, biebelfest bin ich nicht, und die wwwdotcom Suchmaschienerie bringt nicht das Original, wenn da Eichendorff steht nach der Einreichung, stimmt es auch, ich werde Sie nicht im Regen stehen lassen, nun, sie bringt ihn, die vierte Strophe als "Grund, kühl von Vergessen",  die liebe Marie hat ein Pech vor ihren Namen bekommen, statt Liebe hat das hier berichtende ich, hier nun erst eingeführt, nicht mehr in einem Traume nun, es hat "Liebstöckel im Mund", nicht Liebe, und der Trommler steht "im hölzernen Kleid" in einer Zeit, die zerrissen wirklich ist.

Vielleicht, das in dieser Zeit nur noch der Trommler verschriftet vorkommt, wo er die Antinomie des hölzernen Kleides nun, lebt, nun  ja, sie ihm überlebensnotwendig ist womöglich. Erwacht, steht da das "ich", erwacht aus einem Traum von der Romantik.

 

Beim frühen Celan, etwa im dem der "Todesfuge" vorangehenden Liebesgedicht "Corona", wohl nicht zufällig in dem Gedichtband "Mohn und Gedächnis" so erschienen, ist das Erbe der deutschen Romantik unverletzt uns überkommen, es ist, das Erbe, es ist bei Sollner im Traume bewahrt.

Das, dieses Erbe zu vertreten nun will es, dieses eine unter den Gedichten Celans sich weismachen und uns, und es behauptet das Erbe ja in der Gegenwart von gelebter Menschenliebe, die, das kann man nachlesen, für Celan universal ist, abgesehen davon, das er wohl keine Zuneigng zu Männern je in sich spürte, anders als Thomas Mann und Rilke, den freundlich doch eigentlich ein englicher Germanist die größte Lesbe seit Sappho nannte.  Die "Corona" gibt signiered dem Band den Namen, wie ich Celan kenne, auch das ein Symbol, aber, aber die anderen Gedichte des Bandes sprechen eine sehr deutlich andere Sprache.   Da schlägt immer in das Erbe der literarischen deutschen Romantik, in die Gegenwart ja geholt, das untrügliche Gedächnis Celans ein als eines Menschen, der den Untergang der Kultur, aus die er kam, überlebte, blutig und so gewaltsam untergegangen, und wir dürfen nur vermuten, was aus Celan geworden ware, und mithin aus Deutschland auch, wäre die Geschichte anders verlaufen, die Corona gibt uns einsam genau, das Reimwort, neben die "Todesfuge" gestellt, einen Fingerzeig. 

Wir sollen die Gedichte ineinander denken, zeitgleich, Celan vermochte sie nicht mehr zu verschmelzen.

 

Wirkliche Dichtung ist geradezu identisch mit Lebenswahrheit.

 

Nun, wahrend Celan das Erbe der Romantik in seine Wirklichkeit heraufholt, und es blutig zerschlagen werden läßt an seinem Gedächtnis, ein Ansatz, den er nun den Ex - Landsern und Ex- Flakhelfern las der Gruppe 49 , Hermeneutik und Neue Innerlichkeit betreibend sie, tabula rasa.  Und nur nun zu verständlich, hat er, Celan, ihn ihnen nicht erklären gemocht, und schon gar nicht das, nachdem sie, höflich gesagt, wenig sensibel ihn verlacht hatten.

Eine tiefe, schwarze "Sternstunde" deutscher Nachkriegsliteratur.

So bleibt das Erbe der deutschen Romantik, immerhin das ja, uns erhalten, wenn wir uns nur verstehen dazu, wir schlafen ja wach, eben den zu naiven und gefährlichen Schlaf wacher Bewusstheit, eben "Den Schlaf des Trommlers" nun von Werner Söllner.

 

Nun, so weit, so gut, und das dürften in etwa auch der Autor Werner Söllner, ich nehme an doch an, auch das schweizer Lektorat des Gedichtbandes, und nun auch der, sicher nenne ich ihn mir da nicht falsch, deutsche Linguist Professor Theo Elm, der Herausgeber der Anthologie "Lyrik der neunziger Jahre", und wer bei Reclam Stuttgart technisch so lektorierte, naiv so es gesehen haben. Davon ist auszugehen.

Wie völlig verstellt Ihnen nun eine Nebenbedeutung, die " der Trommler" nun einmal hat, jede naive Sicht, und zwingt sich einem jede Hauptbedeutung verdrängend auf, und Sie werden das Gedicht nicht mehr naiv lesen können, erst einmal, behaupte ich, geben Sie in Ihre Suchmaschine ein, z. B.  Goggle machts,

Eingabe: ""Trommler der Bewegung"".

Nicht vertippen.

(Pause.)

Gutes Erwachen in einer neuen Welt auch!

Habe ich das Maul zu voll genommen?

Schwarz, rabenschwärzer geht es nun doch nicht, in allen denkbaren Wirklichkeiten und allen düsteren Träumen das, finde ich.

Ich gehe davon aus, das sei nochmal gesagt, das weder dem Autor, in Rumänien aufgewachsen, noch dem schweizer Lektorat, (was gehen die Schweizer die möglichen deutsch-östereichische Bauchschmerzen an?,) noch dem führenden Germanistikprofessor Theo Elm (auf über 800 Verweise bringt es meine Suchmaschine nun) diese Nebenbedeutung bewußt war - bis zum Erscheinen dieses Essays nun.

Nun ist Prof. Theo Elm nicht irgendwer, und so fällt der Vorwurf, den ich hier erhebe, in aller Unerbittlichkeit auf das gesamte deutsche germanistische Ordinariat Deutschlands, ich habe den Band, "Lyrik der neunziger Jahre", erst 2002, lange nach Erscheinen erworben, und nochmal mir im August 2002 bestellt, es wäre ja möglich gewesen, statt den ja wohl kapitalen Fehler stehenzulassen, statt dieses Gedicht mit seinem unterschwelligen Verweis auf "den Trommler" in einem Standardwerk der Germanistik zu führen, es stillschweigend zu entfernen, und Reclam Stuttgart wäre wohl gerne für die Rückruf- und Neudruckkosten aufgekommen, wie hoch sind sie den eigentlich?

Nicht so erdrückend.  So gut geht Lyrik auch nicht. Wie wir alle wissen.

Wohl jeder germanistische Lehrstuhlinhaber  hier wird den unterlaufenen Fehler auch überlesen haben, und offembar auch durch keinen Autoren oder Marcel Reich-Raniki, der es gelesen haben wird so prominent auf Ulla Hahn im Vorwort da eingegangen wird, wird den Herausgeber auf den Lapsus aufmerksam gemacht.  Und er hat sie wohl entdeckt, Ulla Hahn.  Durch keinen hat nun offensichtlich Prof. Theo Elm einen freundlichen Hinweis erhalten, und auch sonst, niemand unter den Tausenden doch nicht drögen Lesern ist das anscheinend aufgefallen.

Das sage ich in der Annahme, wäre der Fehler entdeckt worden, wäre er kollegial Theo Elm, dem Herausgeber, auch mitgeteit worden, wäre diese Publikation stillschweigend gegen eine Auflage 2 ohne das inkriminierende Gedicht zu bestellen gewesen, davon ist wohl sicher auszugehen.

Ich habe mir nun ein Zweitexemplar bestellt, und im August 2002 erhalten: Auflage 1, 2000, Stuttgart.

Es könnte einmal ein wertvolles Geschenk werden.  Könnte.

Armes Deutschland!

Will sagen, der Fehler hätte fast jedem geschehen können, jeder hier hat seinen Teil hier zu lernen, auch mich schließe ich nicht aus, ich überlas das bei erstem Lesen ja auch.

Ich fordere ausdrücklich nun keinen Kopf, ausdrücklich.

Ich fordere, gemeinsam aus dem ja gemeinsamen Lapsus zu lernen,

damit die Kultur Deutschlands endlich auf die Hohe der Zeit kommt, die sichtlich in der Gefahr ist, eine Vorkriegszeit zu werden.

 

Eigentlich etwas unwahrscheinlich, nicht?

Oder?  Oder, nicht?

Oder ich liege recht ganz falsch, die von mir nicht genannte Nebenbedeutung ist eine nächtliche Schimäre und sie ist nun ganz und gar zu vernachlässigen?

Möglich das ja, und mitzubedenken auch, aber mein Gedächtnis erinnert mich doch daran, wie lange sich mir der Fakt, "Trommler der Bewegung", in meine Suchmaschiene eingegeben, sich vor jede naive Ausdeutung schob des Gedichtes und sich erst so, wie in dieser Arbeit vollzogen und ja öffentlich gemacht, war sie mir möglich.

Aber sehen sie selbst doch, schiebt sich Ihnen nicht der Schlagschatten des "Trommler(s) der Bewegung" so schwarz in jeder Kontur vor jede Deutung des Gedichtes, und zerstört es Ihnen völlig?

Nein, eine Lesart bleibt mir erhalten, ich reiße ja die Funktion des "Hüters" mit Nennung des Schlüssels "Trommler der Bewegung"an mich. So kann ich - sicher nicht die Absicht des Autors - aber die ist immer außerhalb des Gedichtes, den Text nun dechiffrieren und mir retten.

"(I)m flackerden Traum", ich habe diesen Gedankengang ja mit

einigen Freunden besprochen, und einige, genauer fast alle, darunter ein studierter Germanist, fanden den Fehler nicht so erheblich und so kardinal, zumal diese Nebenbedeutung im Wort "der Trommler" ja wirklich ersichtlich untergegangen ist dem Anscheine nach außerhalb meines womöglich kranken Hirnes und, ja, des Internets.

Aber ich habe sie nun hiermit ausgesprochen. es fällt schwer, das von Celan Vorgedachte etwa in den Gedichten "Wortaufschuttung" und  "Weggebeizt" klar ausgesprochen, zu hinterlassen. Mir ist so märchenhaft, überall ist Celan und ruft, ich bin schon da, und ich bin kurzsichtig der atemlos keuchende Hase, der in "Alice in Wonderland" ja eine Brille trägt.  Jetzt ist der Raum hier neu definiert.  Und die vierte Strophe spricht vom sich ja als hölzern erweisenden Kleid, und so hört man ja heute die O - Töne, hölzern, pathetisch, Getrommel, hohler Klang, das, keine Spur von Wohlklang noch darin.

Ein stabiler Text, das sei dem Autoren gesagt, aber er gehört wirklich nicht in die Jahrzehnt - Anthologie.

Wahrlich, eine zerrissene Zeit.

Immer, noch.

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