Wolfsmehl

DIE NAABPFERDE
(aus:
Blütenstaub vom Baum der Phantasie, Gedichtzyklus, 1977-2000).

Herr, wenn Nebel auf dem Wasser liegt
Wenn im Kahn der Bootsmann sich im Delirium wiegt
In der verblassten, autoritären Welt
Die Schulglocke in der Ferne schrillt
Dann schick vom Grund es Flussbetts aus
Die lieben, schönen Naabpferde rauf

Hört nur! Sie rempeln an die Bordwand
Schlagen, treten, drücken das Ruder
Setzen die Flossen wie Flügel vor den Bug
Ist dagegen nicht jeder Biologieunterricht Selbstbetrug?

Die Tierchen lassen das Boot erzittern
Galoppieren vom Wehr zur Brücke
Der Magen muss sich übergeben
Am Heck, dort, wo wir die Flaschen leerten
Unter Zuckungen mit würgendem Umfangen
Büßen für das blaue Unterfangen

Herr, greife Ihre Nester an!
Öffne den Fluss
Erstick die Qualen
Drück mit sanfter Hand
Die lieben, schönen Naabpferde zum Grund hinab.

(1977)

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