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Schokoladenseite
(Leseprobe aus: Ausgerechnet Soufflé!,
Roman, 2009, AAVAA-Verlag).
Rrroooah!! Diese unbändige Lust auf
Schokolade. Das Verlangen überfällt einen immer völlig unerwartet und vor allem
dann, wenn man es überhaupt nicht brauchen kann. Schokolade steht nämlich
definitiv nicht auf der Zutatenliste Ihrer Eiweißdiät. Auch nicht beim zweiten
Durchlesen. Möglicherweise hat der Hund die kostbare Tafel vom Couchtisch
geklaut, sie im Garten verscharrt und weigert sich nun, Ihnen das Versteck zu
verraten. Im Supermarkt zieht der Kunde vor Ihnen die letzte Packung Ihrer
Lieblingssorte „Mandelcrisp“ aus dem Regal, weil Sie mal wieder zu lange zögernd
vor den zahllosen Butterpackungen in der Kühlabteilung standen. Sie finden im
Vorstandsbüro partout keine Ausrede, um mal eben die Powerpoint-Präsentation zu
unterbrechen und Ihnen liegt etwas an ihrem Job. Schlimmstenfalls haben Sie eine
Kakao-Allergie.
Schokoladengelüste sind leicht auszumachen. Man erkennt sie an plötzlichem
Zittern, Gedankenkreisen und diesem merkwürdigen Zusammenziehen der inneren
Gaumenwand, meist gepaart mit pawlowschem Speicheln. Sie sind fiese, kleine
Geister, die unentwegt kichern. Meine fallen zu den unmöglichsten Zeiten aus dem
Dunkel auf das Bett und kriechen unter die Decke. An den Füßen bin ich ziemlich
kitzelig. Mitten in der Nacht schlage ich also die Augen auf und mein erster
Gedanke ist, na? Richtig. Schokolade. Zur Bekräftigung malt das Mondlicht den
Weg zum Kühlschrank verführerisch auf den Teppich. Es soll ja Menschen mit
ausgesprochen eisernem Willen geben. Die können sich grunzend umdrehen, das
Ganze auf den nächsten Morgen verschieben und einfach weiterschlafen. Leider
gehöre ich nicht dazu. Ich schleiche nachts um drei in die Küche.
(...)
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