Ausgerechnet Soufflé! von Claudia Winter, 2009, AAVAA-Verlag

Claudia Winter

Schokoladenseite
(Leseprobe aus: Ausgerechnet Soufflé!, Roman, 2009, AAVAA-Verlag).

Rrroooah!! Diese unbändige Lust auf Schokolade. Das Verlangen überfällt einen immer völlig unerwartet und vor allem dann, wenn man es überhaupt nicht brauchen kann. Schokolade steht nämlich definitiv nicht auf der Zutatenliste Ihrer Eiweißdiät. Auch nicht beim zweiten Durchlesen. Möglicherweise hat der Hund die kostbare Tafel vom Couchtisch geklaut, sie im Garten verscharrt und weigert sich nun, Ihnen das Versteck zu verraten. Im Supermarkt zieht der Kunde vor Ihnen die letzte Packung Ihrer Lieblingssorte „Mandelcrisp“ aus dem Regal, weil Sie mal wieder zu lange zögernd vor den zahllosen Butterpackungen in der Kühlabteilung standen. Sie finden im Vorstandsbüro partout keine Ausrede, um mal eben die Powerpoint-Präsentation zu unterbrechen und Ihnen liegt etwas an ihrem Job. Schlimmstenfalls haben Sie eine Kakao-Allergie.
Schokoladengelüste sind leicht auszumachen. Man erkennt sie an plötzlichem Zittern, Gedankenkreisen und diesem merkwürdigen Zusammenziehen der inneren Gaumenwand, meist gepaart mit pawlowschem Speicheln. Sie sind fiese, kleine Geister, die unentwegt kichern. Meine fallen zu den unmöglichsten Zeiten aus dem Dunkel auf das Bett und kriechen unter die Decke. An den Füßen bin ich ziemlich kitzelig. Mitten in der Nacht schlage ich also die Augen auf und mein erster Gedanke ist, na? Richtig. Schokolade. Zur Bekräftigung malt das Mondlicht den Weg zum Kühlschrank verführerisch auf den Teppich. Es soll ja Menschen mit ausgesprochen eisernem Willen geben. Die können sich grunzend umdrehen, das Ganze auf den nächsten Morgen verschieben und einfach weiterschlafen. Leider gehöre ich nicht dazu. Ich schleiche nachts um drei in die Küche.

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