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Joe Speedboat
(Leseprobe aus:
Joe Speedboat.Keine Zeit für Helden, Roman, 2006,
Hanser - Übertragung Bettina Bach).
Es ist ein warmer Frühling, rühling, in der Klasse beten sie für
mich, weil ich schon über zweihundert Tage weg vom
Fenster bin. Ich hab’ am ganzen Körper wund gelegene Stellen
und einen Kondomkatheter um mein Ding. Ich befinde
mich im Wachkoma, erklärt der Arzt meinen Eltern: Ich
nehme meine Umgebung wieder in beschränktem Maße
wahr. Es ist eine gute Nachricht, sagt er, dass ich wieder auf
Schmerz- und akustische Reize reagiere. Auf Schmerz reagieren
ist eindeutig ein Zeichen von Leben.
Sie hängen ewig um mein Bett herum, Paps, Mam, Dirk
und Sam. Ich höre sie schon, wenn sie aus dem Fahrstuhl
kommen – ein Schwarm Stare, der den Himmel verdüstert.
Sie riechen nach Öl und billigem Tabak und haben es gerade
mal geschafft, ihren Overall auszuziehen. Hermans & Söhne,
Abbrucharbeiten aller Art. Die Familie Alles-Schrott.
Wir verschrotten Autowracks, Fabrikanlagen, Werkzeugmaschinen
und ab und zu eine Kneipeneinrichtung, wenn
mein Bruder Dirk mal wieder rot sieht. In Lomark lassen sie
Dirk fast nirgends mehr rein, in Westerveld schon noch. Da
hat er was mit einem Mädchen, und wenn er nach Hause
kommt, riecht er nach künstlichem Veilchenduft. Mit so ’ner
Tussi kann man doch nur Mitleid haben.
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