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John Henry Days
(Leseprobe aus: John
Henry Days, Roman, 2003, Hanser - Übertragung
Nikolaus Stingl)
Am Rande des Jahrmarkts schließlich sieht er zum erstenmal den
Tunnel. Er hat ihn sich größer vorgestellt. Das ist der
John-Henry-Tunnel, nicht der andere da drüben, der ihn ersetzt hat.
Der funktionale Tunnel zieht die moderne Fracht an, der
John-Henry-Tunnel Altweibergeschichten. Regen und Schmutz
haben die Würde des Eingangs besudelt, aber die behauenen, auf eine
bestimmte Weise angeordneten Steine künden von einem gezähmten
Berg. Aus der schwarzen Öffnung dringt keine Kunde von
Eroberung, sondern von achselzuckend hingenommenem Scheitern.
Erst kürzlich hat das County die Worte great bend tunnel in schicker
weißer Farbe nachmalen lassen, eine Renovierungsbemühung, die die
Gewalt der Witterung nur um so stärker hervortreten läßt. Er schaut
nach rechts, zu dem neuen Tunnel hinüber, am Zaun vorbei. Ein
elektrisches Kabel gleitet in die Öffnung, auf dem Boden
verschwinden zitternd Stahlschienen darin, bezeugen seine
Nützlichkeit. Was hat John Henrys Tunnel demgegenüber
vorzuweisen? Soeben verschwindet die Sonne hinter dem Berg, und
ein Pfauenschwanz aus Schatten taucht das Bauwerk in Dunkel. Was
an Leuten vorhin hier gegafft haben mag, hat sich zu dem
Schaukampf verfügt; wie zurückgelassenes Werkzeug liegen überall
verstreut Popcornschachteln und Pappbecher herum. Von oben furcht
sich ein Rinnsal herab ins Gesicht des Tunnels. Langwierige Arbeit,
aber es erfüllt seinen Zweck, löst den Stein und die Arroganz der
Menschen auf. Behebt den Schaden, das, was Menschen angerichtet
haben, und der Berg wird seine Wunde schließen. Auf unsicheren
Füßen bewegen sie sich nach oben auf die breite schwarze Öffnung
zu. Davor hat man ziemlich planlos und ineffektiv fünf Betonklötze
aufeinandergetürmt, um den Eingang zu versperren, im Grunde eine
Pro-forma-Maßnahme, mit der irgendeiner Verordnung des Stadtrates
Genüge getan wird, die Kinder von dem Wahrzeichen der Stadt
fernhalten soll. Fünf Zähne für dieses Maul. Als sie näher kommen,
streicht ihnen ein kalter Friedhofshauch übers Gesicht. Er blickt auf,
als er direkt in der Tunnelöffnung steht, sein Blick folgt dem
unregelmäßigen schwarzen Stein des Bogens, dann der Masse aus
Erde und Grün, die von oben auf den Tunnel eindringt, dem Himmel
über dem Berg; es ist ein Bild von versengtem Land und neuen,
regenerierenden Gewächsen, die sich darauf vorschieben. Sie müssen
nicht darüber sprechen; er kraxelt auf den obersten Betonklotz,
streckt eine Hand nach Pamelas warmer Hand aus, und sie springen
hinein. Er fühlt sich schläfrig und ruhig. Der Boden ist schlammig
von zu Pfützen zusammenlaufendem Wasser, das nicht weiß, wohin,
nicht weiß, warum dieser Tunnel hier ist, wo vertrauter Fels sein
müßte. Es ist nicht versickert. Er blickt zur Tunnelwölbung über
ihnen auf und kann nur Dunkelheit ausmachen, in der hier und da
Zacken und abgebrochene Stücke sichtbar werden, die wie verstreute
Atolle die ozeanische Finsternis durchbrechen. Seine Augen müssen
sich erst daran gewöhnen. »Was glauben Sie, wie es für ihn
ausgesehen hat«, sagt Pamelas Stimme, »bevor er auch nur einen
Zentimeter drin war, bevor er angefangen hat. Er hatte einen großen
Berg vor sich.« Er drückt die Statue fester an sich, zur Beruhigung,
um in dieser neuartigen Düsternis einen Anker zu haben. Es riecht
wie in jedem feuchten Keller, in dem er jemals gewesen ist. Er
erinnert sich an die Geschichten von Unfällen aus der Pressemappe,
bei denen die Bergleute von Einstürzen überrascht, von Gestein
zerschmettert oder eingeschlossen und dem Erstickungstod
preisgegeben wurden. Er hat von einem Zug gelesen, der wegen eines
Einsturzes oder eines technischen Versagens in diesem Tunnel
steckenblieb, so daß die Leute am Rauch der Lokomotive erstickten.
Nach gestern abend kann er sich das Ersticken hier drin vorstellen,
das Würgen an Ruß. Dieses Gefühl sickert in ihn ein und hallt an
seinen Knochen wider, wo er die zornige Last des Berges auf seinen
Körper herabdrücken spürt, als trüge er den Berg auf seinen
Schultern. Oder befände sich in dessen Faust, und die Faust drückte
zu. Ein Anflug von Klaustrophobie? Keine früheren Anzeichen für
dieses Leiden, also nein, es muß mehr sein. »Da stehe ich nun, dabei
dachte ich, ich würde nie hierherkommen, weil mir das alles verhaßt
war. Jeden Tag mußte ich mir aus seinem Mund die gleichen
Geschichten anhören. John Henry, John Henry. Und nun stehe ich
hier.« Kalte Zehen. Seine Schuhe sind vom Wasser durchweicht. Die
Pfützen sind tiefer, als er gedacht hat, oder aber er sinkt ein. Als gäbe
es böse Geister, die ihn an den Knöcheln packen, um ihn
hinabzuziehen. Pfützen, gelockerte Steinbröckchen, die immer
wieder von oben herabregnen, aber keine Gleise. Sie sind
eingeschmolzen oder in dem Ersatztunnel neu verlegt worden. Kein
Respekt vor dem Veralteten. Luft von draußen wird hier
hereingesogen, von kranken Alveolen aller guten Bestandteile
beraubt, in einen pestilenzialischen Aushauch verwandelt und aus
den kranken Lungen dieses Berges ausgestoßen. Aber dieser Ort ist
nicht krank oder böse oder irgend etwas anderes als Fels. Ganz
bestimmt nicht. Von einem unbekannten Geschöpf oder
Naturereignis ertönt ein Echo, und in ihm steigt der Drang auf,
davonzulaufen, ein rasch von der Vernunft unterdrückter Drang. Das
hier ist bloß ein Tunnel, und ein paar Meter entfernt dreht sich die
wirkliche Welt mit normaler Geschwindigkeit. Als seine Augen sich
an die Dunkelheit gewöhnt haben, sieht er keinerlei Graffiti. Keine
geschwungenen Erklärungen von Liebe oder Lust, nicht den Namen
der örtlichen Footballmannschaft in verschwommenen Parolen, nicht
die neuesten Bandenregeln. Jugendliche fordern einander auf, sich
hineinzutrauen, aber keiner wagt sich sehr weit oder bleibt
allzulange. Wie heißt es doch gleich in dem Song? Big Bend Tunnel
will be the death of me, Lord, Lord, Big Bend Tunnel will be the
death of me. Warum haben sie ihn nicht zugemauert? Sie brauchen
etwas daraus. Brauchen ihre Geister. Und was noch? »Und natürlich
heißt es, wenn man ganz genau hinhört, kann man seinen Hammer
hören, und das ist ein schlechtes Omen. Können Sie ihn hören?
Warum sagen Sie nichts?« Er hat nicht übel Lust, die Statue auf den
Tunnelboden zu stellen und ein Puppentheater aus der Szene zu
machen. Ein Diorama des großen Tages, bei dem die
John-Henry-Miniatur die Größe seiner Aufgabe begreiflich macht. So
klein unter der gewaltigen Wölbung, den unzähligen Tonnen, die
über ihm kauern und Angriff und Einsturz brüten. So fühlt er sich
jetzt – klein. Man braucht nur hier hereinzukommen und man läßt
alles hinter sich, die Rechnungen, die Hetze, den Rekord, sämtliche
Quittungen, die dort unter der Sonne bleichen. Wenn das nun deine
Arbeit wäre? Den Berg zu überwinden. Jeden Tag zur Arbeit zu
kommen, zwei, drei Jahre lang, in diesen Tod und diese Düsternis,
und dein Fortschritt täglich daran gemessen, in welchem Maße du die
Dunkelheit vergrößerst. Wie tief du dein Grab schaufelst. Er gewinnt
den Wettkampf. Er bricht den Rekord. Dieser Ort macht Geräte
zuschanden, die Dampfbohrmaschine und alles, was nach ihr kommt.
Dieser Ort besiegt die Frequenzen, die die Währung seines Lebens
sind. E-Mail und Funkempfänger, Handys, man kommt hier herein
und fällt aus dem Informationszeitalter heraus in den Berg, atmet Ruß
ein. Verunsichernd, aber auch beruhigend. Die täglichen Schlachten,
die ihren Sinn eingebüßt haben, sind wieder klar umrissen, Gegner
und Ziele benannt und begriffen. Die wahren Unterschiede zwischen
einem selbst und denen. Und ihm, dem Berg. J. preßt eine Hand auf
die kühle, herausgesprengte Wand. Der Stein weist keine rauhen
Grate auf; sie sind vom herabsickernden Wasser geglättet worden,
Jahrzehnte des Heilens und Vergessens. Wie lange braucht es, ein
Loch in einem selbst zu vergessen? Er gewinnt den Wettkampf, aber
was dann? »Wenn ich Sie bitten würde, mir morgen bei etwas zu
helfen, würden Sie es dann tun?« Sie drückt nun schon eine ganze
Weile seine Hand, aber er hatte es nicht bemerkt. Vor einiger Zeit ist
das Ganze hier zum Stummfilm geworden. Sie haben ihre Plätze
eingenommen, setzen sich zurecht, während auf der parabolischen
Leinwand der Tunnelöffnung die Außenwelt mit jenen anderen
Leuten vom Jahrmarkt abläuft. In Kürze beginnt der Wettkampf,
sämtliche Akteure sind eingewiesen worden. Die Kleindarsteller
bewegen sich durch den Jahrmarkt, starren aneinander vorbei, warten
auf Stichworte; sie haben ihr ganzes Leben mit Proben zugebracht.
All dieses Proben ist Schneideraumabfall, die nichtverwendeten
Sequenzen des perfekten amerikanischen Films, den kein Mensch je
sehen wird. In den mittleren Reihen sitzen J. und Pamela. Wenn sie
sich, was das Publikum niemals tut, auf ihren Plätzen umdrehten,
würden sie das Licht des Projektors sehen, das weiße Geflacker des
Projektors, das das Licht am anderen Ende des Tunnels ist. Ein
Traum, der sich von Westen hierher projiziert.Klar, sagt er.Außerhalb
der Tunnelöffnung, auf jener Leinwand, wird es Zeit für das
Hauptereignis. Sie sind alle da. [ ... ] Der Tag im Berg war fast
vorüber. Das Blut in seinen Armen gab die Zeit genauer an als jede
Uhr. Die Bleistapel in seinen Armen maßen seine Arbeit besser als
die Rädchen einer Uhr oder die Pfeife des Vorarbeiters. Es war fast
Zeit, den Hammer aus der Hand zu legen, als einer der
Karrenschieber hereinkam und allen sagte, sie sollten mal schnell
rauskommen, es gebe was zu sehen. Der Karrenschieber stemmte die
Hände auf die Knie und keuchte, stieß jedes Wort einzeln aus seinem
Körper hoch. John Henry, L’il Bob und das andere Gespann
vermuteten, daß es wieder einen Unfall gegeben hatte und jemand
ums Leben gekommen war. Die Arbeit war schon zu lange zu
friedlich vonstatten gegangen, und es war einmal wieder ein Unglück
fällig. Sein Partner ließ seinen Bohrstahl auf die Erde fallen, John
Henry nahm seinen Fäustel auf die Schulter, und sie gingen über die
Bohlen auf die Sonne zu. Als er dem Tunnelportal schon ganz nahe
war, hörte er hinter sich Gelächter. Im Gehen blickte er sich um, sah
hinter sich aber nur die Felsenzacke, die sich von der Tunneldecke
hinabreckte. Nie zuvor war ihm aufgefallen, daß die Sprengung in der
Oberfläche der Zacke zwei schimmernde Steine freigelegt hatte. Die
Steine glommen wie grausame Augen. Als er in die tiefe Dämmerung
hinaustrat, wußte er, daß sie ihn nie wieder verhöhnen würde. Sie
hatte ihre Botschaft ausgerichtet. Die Vorarbeiter, die Mannschaften
und Johnson standen um einen langen Karren herum. Die Bretter des
Karrens waren aus frisch geschnittenem Holz, und die Plane hatte
erst wenig Regen erlebt. Alles, was die Eisenbahn auf die Baustelle
schaffte, alterte schnell. Jahrealte Schwielen bildeten sich binnen
Tagen, frisch geborene Schmerzen kamen einem alt vor, als hätte
man sie schon immer gehabt. Das Ding, das die Männer um sich
geschart hatte, war neu. Die Pferde waren gut gefüttert und anständig
gepflegt. Keine Maultiere. Sie hatten nie herausgesprengten und
zerkleinerten Fels, die Innereien von Bergen, gezogen. Die weiße
Plane war über eine Form gezogen, die den Männern fremd war. Sie
stand unter dem Stoff vor und wölbte die Plane, aber ihre eigentliche
Gestalt war nicht zu erkennen. Ein Mann redete, und dabei
schnippten seine Finger durch die Luft wie Funken. Er trug die
Kleidung eines Stadtmenschen, eines »Carpetbaggers«, und war so
glatt rasiert, daß sein Gesicht wie gebleichtes Gebein schimmerte.
Einer der Männer neben John Henry sagte, der Mann komme von der
Firma Burleigh und wolle Johnson eine Dampfbohrmaschine
aufschwatzen. Der Bohrhauer und sein Partner drängten sich nach
vorne, um zu hören, was er zu sagen hatte. L’il Bob meinte, ich hab’s
dir ja gesagt, daß sie kommt, ich hab’s dir gesagt. Schon seit Tagen
wurde im Lager über die Dampfbohrmaschine geredet. Eines Abends
nach dem Essen, ehe die Männer auseinandergingen, um sich beim
Glücksspiel zu zerstreuen oder Schlaf zu finden, sagte einer der
Streckenarbeiter, ein rothäutiger Mann namens Jefferson, er wisse
von einem dieser Dinger. Er habe es mit eigenen Augen gesehen. Er
sei Grobschmied beim Bau des Hoosac Tunnel in Massachusetts
gewesen, ehe er hierher zu diesem Berg gekommen sei. Vor der
Dampfbohrmaschine, sagte er, hätten sie dem Fels einfach nicht
beikommen können. Die Arbeit sei langsam vonstatten gegangen.
Doch dann hätten die Bosse eine dieser Burlee-Maschinen besorgt,
und der Fels sei einem eher wie Sand vorgekommen, sobald sich die
Maschine drangemacht habe. Sie werde von Dampf angetrieben,
saufe mehr Wasser als ein Mensch, brauche aber nichts zu essen und
arbeite doppelt so schnell wie ein Mann. L’il Bob sagte, Jefferson
habe keine Ahnung und rede von diesem wackeligen Ding, als sähe
er zu ihm auf. Aber im Laufe der Tage und Nächte kam das Gespräch
immer wieder auf die Dampfbohrmaschine, und viele von den
Männern waren neugierig. Ihre Spekulationen schwirrten durch die
Luft wie Mücken in der Dämmerung. John Henry blieb stumm, den
Rücken dem allgegenwärtigen Berg zugekehrt. Der Vertreter redete
von Tunneln überall auf dieser Strecke. Er breitete die Arme aus, als
hielte er zwischen seinen Händen alles, was zwischen den Ozeanen
lag. Er redete von Tunneln auf Eisenbahnstrecken im ganzen Land.
Dann hakte er die Daumen in seine Westentaschen und trommelte mit
dünnen, an Spinnenbeine erinnernden Fingern auf seine Brust.
Johnson griff nach seiner Taschenuhr, als der Vertreter von Burleigh
über Fuß pro Tag, Pennys pro Zoll und Schnelligkeit des Vortriebs zu
reden begann. Den Männern ging dieses Gerede größtenteils zum
einen Ohr hinein und zum anderen hinaus, aber sie begriffen, was es
bedeutete. Mit dem doppelzüngigen Gerede von Vertretern hatten sie
alle schon zu tun gehabt. Li’l Bob sagte, ich hab’s dir ja gesagt. Vor
diesem Gerede war überall um sie herum die Arbeit zum Erliegen
gekommen, und sogar vom Westeinstich hatten ein paar Männer
hierhergefunden. Vorarbeiter und Wasserträger, Schwarz und Weiß
kamen sich die Erfindung ansehen. Der Vertreter zog die Plane
zurück, um das Ding zu enthüllen, das er hierherbefördert hatte. Von
der Stadt aufs Land, über diese langen Straßen. Es war ein seltsames
Geschöpf. Sein Rumpf war die Maschine, und sie stand auf vier
schlanken Stahlstreben. An der Seite ragte wie eine gebrochene
Rippe ein Bügel heraus, mit dem man steuern konnte, was sich
drinnen abspielte. Wie Schwänze entsprangen dem hinteren Ende
Schläuche, die mit einem großen, runden Kessel verbunden waren.
Und die Schnauze des Dings, das war der Bohrer. Er schimmerte. Die
Männer traten von einem Fuß auf den anderen. Sie seufzten weder,
noch verschlug es ihnen vor Verblüffung den Atem. Es war ein
merkwürdiger Anblick, und er verschloß ihnen den Mund. In
Gedanken stellten sie die Maschine in den Berg, vor den Fels. Der
Vertreter sprang auf den Karren und rieb der Maschine die Flanke. Er
sagte, sie habe acht Pferdestärken. So ein Gerät hat mit dem Hoosac
kurzen Prozeß gemacht, sagte er. Mit einem Berg wie dem hier wird
es genauso leicht fertig. Er sei in Lagern an jeder Strecke gewesen,
von der sie je gehört hätten, und überall habe man gestaunt, wenn
man gesehen habe, was die Maschine könne. Er redete von der
Maschine, wie man von einem bedeutenden Mann reden würde. Von
einem, der Großes geleistet hatte. Johnson starrte zu der
Dampfbohrmaschine auf und nickte. Dann sah er John Henry an, als
erwartete er, daß der Bohrhauer den Mund aufmachte und etwas
sagte. John Henry senkte den Blick und sah dann wieder das Ding auf
dem Karren an. Es hatte Stahl, der stärker war als seine Muskeln und
Knochen. Das Blut in seinem Herzen war nichts im Vergleich mit
dem Dampf des Kessels. Es war so stark wie acht Pferde. Er spürte,
wie sich die Männer um ihn herum ihm zuwandten und ihn ansahen.
Er hielt den Blick auf das Ding auf dem Karren gerichtet. Mein Gott,
er hatte nicht gedacht, daß es so bald sein würde. Aber daß es
passieren würde, hatte er gewußt. Er betrachtete das Ding auf dem
Karren und sah künftige Tage. Künftige Tage und alle Tage nach
diesen künftigen Tagen, denn er begriff, wie er schon immer
begriffen hatte, daß es das war, was die Maschine ihm wegnehmen
würde. Er sah die Zukunft, ebendas, was die Maschine ihm stehlen
würde. Genau wie er dem Berg mit seinem Stahl jeden Tag das nahm,
was den Berg ausmachte. Die drei waren miteinander verbunden wie
Brüder. Der Vertreter fragte Johnson, ob er ihm und seinen Männern
die Dampfbohrmaschine vorführen solle. Eine Vorführung ist ganz
einfach zu bewerkstelligen, sagte er. Er zückte ein Taschentuch und
wischte sich die Stirn. Seine, Johnsons, Männer können zusehen, wie
er die Maschine benutzt, und lernen, wie man sie bedient. Dann kann
sich Johnson selbst überzeugen, was für ein Segen die Maschine bei
der Einhaltung seines Vertrages mit der Eisenbahn und seiner
Verpflichtungen gegenüber dem Zeitplan ist. L’il Bob gab einen
tiefen Knurrlaut von sich. John Henry ließ den Kopf seines Hammers
sanft und leicht auf die Erde fallen, als wäre er das erste Herbstblatt.
Als wäre es nur das erste von vielen, das fallen und, von Wehmut
getragen, herabschweben würde. In diesem Moment schob sich eine
Wolke über den Himmel, verleibte den Berg und zugleich auch John
Henrys Herz ihrem Schatten ein. Er stieß den Mann vor ihm zur Seite
und ging zu dem Karren. Der Kopf des Hammers kerbte eine Linie in
den Boden hinter ihm. Er stellte sich vor Johnson und den Vertreter
und sprach eine Herausforderung aus. Dann hob er sich seinen
Hammer auf die Schulter und starrte ihnen ins Gesicht. Er war sich
sicher, daß niemand bis auf den Berg ihn zittern sah.
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