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Paraphrase (für Franz K.)
(Leseprobe aus: Dicke Schwestern, Erzählungen,
2007, Wehrhahn Verlag)
Wenn es so wäre, dass in einem von Betriebsamkeit erfüllten Saal, dessen Decke sich über Marmorböden wölbte und in dessen Kuppel Zahlenketten, hingehaucht von gelenkigen Kassiererinnen, aufstiegen und sich zu Litaneien fügten, wenn es so wäre, dass inmitten dieses Saales ein bärtiger Mann stünde, gebeugt und in einen schmutzigen Mantel gehüllt, und riefe Dies ist kein Überfall, dann könnte diesem Mann niemand Glauben schenken, denn alle Anwesenden, Kassiererinnen, Kreditsachbearbeiter und ihre verlässlichen Kunden, wären bei vollem Verstand und würden ohne jede Besprechung der Angelegenheit darin übereinstimmen, dass ein solcher Mann einer ist, der nicht betonen muss, keinen Überfall zu begehen, und also würden alle, die in seiner Nähe stünden, ihre Geschäfte unterbrechen und vor Schreck erstarren. Es wäre dann nur eine Frage weniger Atemzüge, bis eine Alarmglocke schrillte, ohne dass man wüsste, von wem sie ausgelöst worden wäre, und dass alle Anwesenden, die im Übrigen ein solches Ereignis aus gutem Grund schon lange fürchteten, sich einer Situation gegenüber sähen, deren Bedrohlichkeit sich noch dadurch erhöhte, dass Schreckensseufzer die beklemmende Stille unterbrächen und kurze, bellende Kommandorufe der Kreditsachbearbeiter durch den Saal peitschten. Auch wenn dann der schäbig gekleidete Mann, überrascht von der Wirkung seiner Worte, riefe: Dies ist wirklich kein Überfall, hätte ein hereinstürzender Wachmann, begleitet vom Sirenengeheul eines nahenden Polizeikonvois, die Aufmerksamkeit schnell auf sich gezogen, und alle würden das tun, was jeder vernünftige Mensch in solch einer Situation täte: sich darauf konzentrieren, wie die eigene Haut zu retten sei. Verfolgt von ängstlichen Blicken und dem neugierigen Auge einer herbeigetragenen Fernsehkamera würde der Leiter des Bankhauses blass, aber gefasst dem bärtigen Mann eine Tüte mit fertig verpackten Geldscheinen überreichen, während eine der Kassiererinnen, halb gedrängt von ihrem großmütigen Vorgesetzten, halb getrieben von einer seit langem gärenden Sehnsucht, sich zu opfern, an die Seite des Bärtigen treten und sich bei ihm unterhaken würde, um ihm als menschliches Unterpfand den Weg auf den Vorplatz zu erleichtern, damit er zügig und ohne unbedachte Handlungen in einen bereit stehenden Wagen einsteigen und, umringt von einer rasch anschwellenden Menschenmenge, allen Verfolgern entflöhe. Später sähe man ihn auf einer Parkbank sitzen, davon träumend, weiterhin ein guter Mensch zu sein, neben ihm die Kassiererin, die mit flinken Fingern Geldscheine zählte und atemlos die Bilanz eines ereignisreichen Vormittags verkündete, während das Laub der Bäume, umschmeichelt von einer leichten Sommerbrise, kaum merklich zitterte.
In Wirklichkeit ist es jedoch so, dass die Kassiererinnen, Kreditsachbearbeiter und ihre verlässlichen Kunden nichts davon wissen, wie nahe sie dem Trost wunderbarer Begebenheiten sind, dass sie in ihrer Geschäftigkeit nicht einmal einen bärtigen und in sich versunkenen Mann bemerken, dessen schrundige Hände einen Zettel halten, während seine Lippen fortwährend eine einzige Zahl aufsagen und sein Gemurmel auf halbem Weg zur Kuppel verklingt wie ein vergebliches Gebet.
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