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Verbrechen ist Vertrauenssache
(Leseprobe aus:
Verbrechen ist
Vertrauenssache, Roman, 2011,
Zsolnay - Übertragung Dirk
van Gunsteren).
Eins
Als der Engel die Tür öffnete, trat Parker als erster in die Dunkelheit des Korridors unter der Bühne. Ein Kirchenlied drang disharmonisch durch die Mauern aus rauhen Hohlblocksteinen – ein Klangbrei aus Tausenden von Stimmen. Der Engel sagte: »Ich bin mir nicht sicher …«
»Wir schon«, sagte Parker. Er hielt die feuersichere Tür mit der gespreizten Hand auf und nickte Mackey und Liss zu, die mit ihren Seesäcken rasch an ihm vorbeischlüpften. Parker schloss die Stahltür und zog den Hebel hoch, um sie zu verriegeln, während Liss seinen Seesack mit einem gedämpften metallischen Klirren abstellte und die Schnur löste, mit der er zugebunden war. Mackeys Seesack war vollgestopft mit noch mehr Seesäcken und blieb vorerst auf seiner Schulter. Liss schob das grobe Segeltuch des Sacks so weit hinunter, dass die matt glänzenden Läufe zu sehen waren, zog die drei Schrotflinten hervor, reichte zwei davon an Parker und Mackey weiter und warf sich den leeren Sack über die Schulter.
Blinzelnd sah der Engel ihnen zu. In seinem schweren weißen Gewand und mit den auf den Rücken geschnallten Schwingen aus echten Federn war ihm sicher selbst in der klimatisierten Arena sehr warm; er schwitzte, so dass die weiße Schminke auf seinem Gesicht zerlief und er aussah wie einer, der schon lange tot war. Unter dem Kostüm, der Schminke und dem Schweiß war ihm die Angst anzumerken, und auch die Augen mit den winzigen Pupillen blickten ängstlich. »Es sind zu viele Wachen«, sagte er. Seine Stimme klang dünn, denn er strengte sich an, leise und gedämpft zu sprechen. »Zuviel los. Wir machen’s ein andermal. Wenn die Gelegenheit günstiger ist.«
(...)
Rezension I Buchbestellung I home III11 LYRIKwelt © Zsolnay Verlag