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Keiner rennt für immer
(Leseprobe aus:
Keiner rennt für immer, Roman, 2009,
Zsolnay - Übertragung
Nikolaus Stingl).
Als er sah, dass der Mann, der Harbin hieß, verdrahtet war,
sagte Parker: »Gib mir schon mal Karten« und stand auf. Sie
waren alle in Anzug und Krawatte zu dieser nächtlichen Verabredung
gekommen, Geschäftsreisende, die zur Entspannung
ein bisschen Seven Card Stud spielten. Harbin, ein nervöser
Typ, der das gestärkte weiße Hemd nicht gewöhnt war,
zuckte und zappelte immerzu herum oder beugte sich vor,
um einen Blick auf seine Karten zu werfen, und schließlich
sah Parker, der um neunzig Grad versetzt links von ihm
saß, in der Lücke zwischen den Knöpfen den Lichtreflex auf
dem durchsichtigen Klebeband, mit dem das Kabel befestigt
war.
Während er um den Tisch herumging, löste Parker seine
Krawatte – dunkelblau mit dünnen goldenen Streifen –,
nahm sie doppelt und warf sie Harbin über den Kopf. Er zog
die beiden Enden durch die Schlaufe und ruckte mit der
Rechten kräftig nach hinten, während sein Körper sowohl
Harbin als auch den Stuhl, auf dem er saß, gegen den Tisch
drückte und er mit der Linken nach vorn langte, um Harbin
das Hemd aufzureißen. Die anderen fünf am Tisch, die gerade
sprechen, sich bewegen oder auf das reagieren wollten,
was Parker da tat, hielten inne, als sie das an Harbins blasse
Brust geklebte Kabel, den Rand des an seine Taille geklebten
schwarzen Metallkästchens sahen.
Rezension I Buchbestellung I home II09 LYRIKwelt © Zsolnay Verlag