Wortverwandt
“Sum Gert icht karm Michael hilfter” Ein
Zettel im Treppenhaus, damit
fing es an und zwei Wochen später bin ich zu Hause ausgezogen. Ich
habe den Zettel noch heute, klebe ihn immer wieder auf die erste
Seite meiner Tagebücher. Als ich ihn damals näher betrachtete,
erkannte ich die Handschrift meines Vaters, die jedoch seltsam
kindlich und ungelenk wirkte. Aber da ich oft beim Nachhausekommen
solche Zettel vorfand - codierte Anspielungen, Worträtsel, die
immer
eine Aufforderung in sich trugen, irgendetwas zu erledigen - legte
ich ihn beiseite. Ich war in letzter Zeit sowieso etwas zerstreut.
Wegen Rosa. Die Folgen, einen solchen Zettel zu ignorieren, waren
zwar unangenehm, aber wenn mein Vater einen Wutanfall bekam, blickte
ich in letzter Zeit stumpf in sein Gesicht auf den aufgerissenen
Mund, den Schweiß auf seiner Stirn und dachte umspült von seiner
Brüllerei an die Stunden, in denen Rosa und ich bei Mövenpick am
Markt saßen, Händchen hielten und Kakao tranken oder erinnerte
mich
daran, wie ich vor eine Weile mit Rosa abends in meinem Auto an den
Rand eines Rapsfeldes gefahren war und ihr so nahe kam, dass ihre
Locken sich in meinem Herz verfingen.
Wie eine Polle den Heuschnupfen, so lösten die
Zettel zwischen mir
und meinem Vater ein ritualisiertes Hin und Her von Worten aus. Ich
fand einen Zettel und auf das an meinen Vater gerichtete „Warum?
Warum soll ich das machen?“ erntete ich jedes Mal sein schlichtes
und
übermächtiges, “Weil ich es so will.” Auf diesen Satz hatte er
unser
Zusammenleben gebaut. Weil ich es so will, bedeutete in unserem
Code:
Weil das Leben so ist, und so verstand ich es auch. Aber ich mache
ihm keine Vorwürfe. Heute glaube ich sogar, er hat seine Rolle sehr
ernst genommen: dem Sohn ins Leben zu helfen......
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