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Der Himmel ist kein Ort
(Zitat aus:
Der Himmel ist kein Ort, Roman, 2009,
Kiepenheuer & Witsch).).
Es war das erste Mal in seiner anderthalbjährigen Amtszeit als Pfarrer, dass er
nachts zu einer Unfallstelle gerufen wurde, weil jemand seelischen Beistand
brauchte. Das entsprach einem kirchlichen Service, der sich eigentlich von
selbst verstand, den er aber kurz nach seinem Amtsantritt, in der Absicht, die
kirchliche Arbeit lebensnäher zu gestalten zusammen mit vier Amtskollegen aus
benachbarten Pfarreien zu einer Institution gemacht hatte. Sie stand unter dem
etwas seltsam zusammengesetzten Namen "Notfallseelsorge" im Telefonbuch und war
bei Feuerwehr und Polizei und den verschiedenen Rettungsdiensten als eine bei
Unfällen abrufbare geistliche Hilfe notiert, inzwischen aber in Vergessenheit
geraten, wenn man das überhaupt sagen konnte von einer Einrichtung, die noch nie
jemand in Anspruch genommen hatte. Zwar gaben die fünf kooperierenden Pfarrämter
halbjährlich eine Liste heraus, aus der hervorging, welcher Pfarrer des Bezirks
Bereitschaftsdienst hatte, aber als der Anruf kam, hatte er weder die Termine
noch überhaupt die Liste im Kopf. Und er zögerte, den Hörer abzunehmen.
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