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Schmitz
(Leseprobe aus:
Schmitz, Seite
30-32, Roman, 2004, Frankfurter
Verlagsanstalt)
Man weiß nie, sagt Schmitz, wann einem etwas dazwischenkommt. Das ist nicht vorhersehbar. Das ist ein Augenblick, ein Zufall. Etwas hat nichts zu tun, ihm ist langweilig, da denkt es, dass es höchste Zeit wird. Irgendwo stehen welche herum, die ahnen nichts, die wissen nichts, plötzlich fährt Etwas dazwischen, dass sie auseinander spritzen. Wenn es absehbar ist, ist alles weniger schlimm. Ein Krebs im Endstadium, Intensivstation, Schläuche und Flüssigkeiten. Man weiß Bescheid, man rechnet mit dem Schlimmsten, man hat sich abgefunden und seinen Frieden gemacht, mit dem Todkranken. Man wartet auf die Erlösung, es hat doch keinen Zweck mehr. Wenn aber einer herausgerissen wird, unerwartet, mit eiserner Faust am Haarschopf gepackt und herausgezogen, dass man staunt, dann ist das völlig anders. Man will den noch festhalten, ihn an den Füßen packen, ein Tauziehen, aber es geht zu schnell. Der Griff ins Leere, man rutscht ab, an den Hosenbeinen. Vielleicht kann man noch rufen: Halt! Halt! Bleib da! aber das ist vergeblich. Weg ist er. Endgültig, da gibt es nichts weiter. Ich habe ihr einen Wurstsalat gemacht. Ich hatte noch genügend Zeit. Mittags habe ich eingekauft, damit etwas im Kühlschrank ist, wenn sie heimkommt. Bestimmt hat sie Hunger. Das Essen unterwegs schmeckt ihr nicht, da freut sie sich, wenn abends etwas da ist. Einen Schweizer Wurstsalat habe ich gemacht, mit Essig und Öl und Käse und Zwiebeln. Meine Spezialität. Das kann ich, das bestätigt jeder, der einmal probiert hat. Die Wurst kaufe ich bei einem besonderen Metzger. Er ist teuer, aber die Qualität seiner Waren hervorragend, das merkt man sofort. Ich habe den Tisch sauber abgewischt und die Glasschüssel mit dem fertigen Wurstsalat aus dem Kühlschrank genommen und auf den Tisch gestellt. Dann habe ich ihn gedeckt. Zwei Teller, zwei Gläser, Besteck. Ein frisches Schwarzbrot habe ich aufgeschnitten, die Scheiben ordentlich in den Brotkorb gelegt und zum Wurstsalat gestellt. Ich habe mir Mühe gegeben, dass alles schön aussieht. Ein Willkommensgruß. Ich wusste, dass sie sich darüber freut. Das Bier habe ich im Kühlschrank gelassen. Das kann ich dann immer noch herausholen, wenn sie da ist, habe ich mir gesagt. Ich sah auf den Tisch und war zufrieden. Sehr ordentlich hat es ausgesehen. Ich habe noch einmal auf die Küchenuhr geblickt, und dann bin ich gegangen. Es war sehr mild, genau wie heute, eine Jacke brauchte man nicht. Ich ging einfach kurzärmelig. Ich zog die Tür hinter mir zu und lief die Treppen hinunter. Als ich aus dem Haus kam, atmete ich erst einmal tief durch. Die abendlich milde Sommerluft, herrlich. Ich ging zum Wagen und fuhr los. Zeit hatte ich mehr als genug, sie hatte telefoniert, sie würden mit etwas Verspätung starten.
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