Zwischen Tag und Nacht
(Leseprobe aus: Zwischen Nacht und Tag
(Residenz/2005, Edition
Korrespondenzen)
Mit einem Blumenstock und einem Öllicht
im Rucksack und der Armbanduhr, die seinem Vater gehört hatte, in der
Jackentasche machte sich an einem Septembertag früh am Morgen ein Mann von
seinem Elternhaus auf den Weg zu der viele Stunden Gehzeit entfernten Stelle, wo
sein Vater als Vorarbeiter einer Straßenbaufirma vor mehr als zwei Jahrzehnten
in einem Dränagegraben ums Leben gekommen war.
Wagner hatte die Uhr des Vaters erst vor einigen Wochen wieder entdeckt und trug
sie seither als Glücksbringer, ein wenig auch als eine Art Kompass (wie um mit
dessen Hilfe aus einem Labyrinth zu finden) bei sich und griff vor allem nach
ihr, wenn ihn in der Nähe von Menschen, von einem Augenblick zum andern, die
Angst überschwemmte, vor Schwäche nicht mehr weiter zu können und
zusammenzusacken oder wie die Figur eines Zeichentrickfilms, die plötzlich
entdeckte, dass sie längst schon keinen Boden mehr unter den Füßen hatte, im
nächsten Moment in die Tiefe zu stürzen …
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