Meerliebe Bianca
(aus: Das Meer an sich ist weniger,
Buch+CD, 2002, Transit-Verlag)
Bianca hieß es, wäre
eine Ungezügelte. Man könne mit ihr im Boot hinaus auf den See paddeln und wo sie das
Gefühl habe, weit genug den Augen Unbeliebter entkommen zu sein, sollte sie ihren
Pullover anheben, die stattlichen Brüste sichtbar machen. Anfassen dürfe man nicht, und
das Gesamte koste einen Fünfer, was viel Geld war, bei manchem das ganze Taschengeld. Das
wurde aus einer sicheren Quelle geplaudert. W., der Weiberheld, der Flirter und
Draufgänger, der alles was die Mädchen anbelangt, als erster angegangen ist, war
begeistert und empfahl weiter, als wäre er am Geld der B. beteiligt, als wäre sie sein
bester Gaul im unwürdigen Stall. Und so sammelten wir jeder für uns die nötigen
Geldstücke. Ich weiß noch, daß ich meine Eltern bestohlen und Flaschen weggebracht habe
und das Pfandgeld nicht zurückgegeben, heilfroh daß sie es nicht einforderten, ergo
leicht meine fünf Mark beisammen hatte und der erste war, der in die Tasche griff, sie
hinhielt und somit meinte, als erster rausrudern zu dürfen, was ein böser Gedanke war.
B. drückte aus, sie würde nacheinander mit demjenigen hinausfahren, der ihr gefiele, was
ihren Zuhälter die Schulter anheben ließ.
Sie wählte Heinz aus, der stattlich gebaut und ein schöner Blonder gewesen. Dann kam
Wolfgang dran und schließlich ich, mit einem Kommentar, der in meiner Erinnerung ein
Aushauchen war, eine Luft gewordene Auferlegtheit, ein: Na denn, wenns sein muß,
aber nur weil ich die fünf Mark bereits ausgezahlt bekommen habe.
Dementsprechend fiel ihr Sein im Boot aus. Ich sollte nicht so lahm rudern, nicht so
starren, schon gar nicht auf sie und ihren Pulli, hinter dem sich die Wunderdinger
abzeichneten. Einen kurzen Blick nur, du mußt aufpassen, daß du nichts verpaßt, sagte
sie zum Doktorspielchen, hob den Pulli an und ließ ihre Brustwarzen kurz flimmern,
bedeckte sie in einem Vollzug und forderte mich, den Rückweg anzutreten. Ich weiß noch,
daß ich mich weigerte, sie mir drohte, sie könnte aussagen, ich hätte sie betatscht,
dann würde ich was erleben. Ich weiß noch, daß mir auf den Lippen gelegen, wie sehr ich
ihre Brüste selbst durch den Pulli betatschen täte, dies aber unterließ und brav
ruderte, wobei sie auszählte und ich in Schweiß geriet und sie lachte und sagte, ich
wäre ein kräftiger Bursche, dem man es gar nicht ansähe, und wenn sie lustig sei,
würde sie mir ihre Brüste eines Tages für länger und eventuell ganz umsonst zeigen.
Ich müßte schneller rudern. Ich ruderte um mein Leben und war der Ansicht, ich wäre mit
B. im Geheimbund verstrickt und in Bälde auserwählt.
Was ich erhoffte, kam tatsächlich, allerdings von gänzlich unerwartet anderer Seite und
hieß Gabi.
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