Krieg und Welt
(Auszug
aus: Krieg und Welt, 2006, Jung
und Jung)
Immer wieder war der Vater fort,
ohne Ankündigung und auf unbestimmte Zeit. Kehrte er dann wieder, erzählte er
nichts. Einmal, er war für drei Wochen im Dschungel Malaysias gewesen, konnte
er dem Kind nicht in die Augen schauen. An solchen Zeichen nur entzündeten sich
Ahnungen. Es sind Nachkriegszeiten, und es ist Kriegszeit, die Zeit der Malaya
Emergency; und die Arbeit in geheimer Mission schafft schwierige Bedingungen für
Frau und Kind.
Was bedeuten solche Ungewißheiten, Lücken für Versuche der Rekonstruktion?
Wie denkt man in der Folge über Abwesenheit/Anwesenheit (tot/lebendig) nach?
Und wie schlägt sich das in der literarischen Form nieder? Wo ist die Welt? Was
ist die Welt?
Das Kind entwickelt Antennen für Verborgenes – sie sind es auch, die das Erzählen
leiten: Bei frühesten Eindrücken setzt der Erzähler an, bei Beobachtungen des
vier-, fünfjährigen Kindes, die noch nicht von Kategorien überformt sind.
Ihnen spürt er nach, sie setzt er in Verbindung zu später Gehörtem,
Gesehenem, Gelesenem, sie übersetzt er. Geleitet von den Begriffen Traum und
Verwandlung läßt er Leben und Tod ineinandergleiten, Annäherung und Verrat,
Sprache und Aufdeckung, Geheimnis und Klang. Dabei entsteht fast eine
Biographie, der Grundriß der eigenen Poetik und eine aus alten Festlegungen
befreite Ordnung der Welt.
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