Lucien Wasselin

Kurznachrichten

1
Soll das ein Kampf gegen den Tod sein, wenn man sich damit abrackert, lärmend
im künstlichen Licht zu leben, wenn es Nacht geworden ist, wenn man den Schlaf
zurückdrängt und dabei weiß, daß man am nächsten  Tag nicht mit der Sonne
aufstehen kann? Der Spott ist da, wie verabredet; er sieht immer übernächtigt aus.

2
Die Nachbarstochter hat Krebs. Grad hast dus erfahren. Da wird dir klar, wie das
Leben befristet ist; gern würdest du die Nacht anderswo als in deinem Bett verbringen.

3
Du hast Nachricht aus deinem Heimatdorf bekommen. Vierzig haben sie in der kleinen
Fabrik entlassen; Leute, die du gekannt hast, sind gestorben; seit das Haus unbewohnt
ist, überwuchern Disteln und Kreuzkraut den Garten deines Vaters. So lebst du neunzig
Kilometer weit vom Unglück entfernt.

4
In dieser Gegend lichtet sich der Morgennebel eigentlich nie. Man geht immer mit
nach vorne ausgestreckten Armen, um sich nicht wehzutun. Der Körper ists aber
schon gewohnt, man spürt die Schrammen nicht mehr, das Blut fließt immerzu, man
merkts garnicht mehr. Vorerst.

(Fragments du manque, Le Dé bleu, Chaillé-sous-les-Ormeaux 1988)

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