Weisse Reiher von Derek Walcott, 2012, HanserDerek Walcott

Weißer Reiher
(Leseprobe aus: Weiße Reiher, Gedichte, 2012, Hanser - Übertragung Werner von Koppenfels).

I

Vorsichtig umgehn mit dem Licht der Zeit: wie oft noch duldet sie,

daß lange Morgenschatten auf den Rasen sinken,

staksende Reiher Schnäbel ringeln, um zu schlingen,

wenn du, nicht sie, oder wenn du und sie vergingen;

schnatternd die Papageienflotte ausläuft in der Früh,

April Afrikas Violett entflammt

in dieser Trommelwelt, die dir die Augen trübt und näßt

hinter beschlagenen Linsen, Sonnenaufgang, Untergang,

Verfall, den leise Diabetes hinterläßt.

Nimm all dies hin im ausgewogenen Satz,

skulptierte Setzung, jede Stanze an ihren Platz gebracht;

lern, wie die lichte Wiese sich nicht schützt

vor bohrenden Reiher-Fragen und der Replik der Nacht.

II

Die Eleganz dieser weißen, orange-geschnäbelten Reiher,

lauter schlanke Krüge, stolzierend, der dicke Stamm der Oliven,

Zedern, die einen Bach trösten, wie ein Sturzbach reißend

zur Regenzeit; hin zu dem Frieden

über alles Begehren hinaus, alles Bedauern,

den ich vielleicht finden kann, irgendwann,

dessen Palmwedel sich im Licht neigen wie Palankine

und werfen Tigerschatten unter sich. Sie werden da

bleiben, nachdem mein Schatten samt allen Sünden


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