Regentonnenvariationen von Jan Wagner, 2014, HanserJan Wagner

giersch
(Leseprobe aus: Regentonnenvariationen, Gedichte, 2014, Hanser).

nicht zu unterschätzen: der giersch

mit dem begehren schon im namen – darum

die blüten, die so schwebend weiß sind, keusch

wie ein tyrannentraum.

kehrt stets zurück wie eine alte schuld,

schickt seine kassiber

durchs dunkel unterm rasen, unterm feld,

bis irgendwo erneut ein weißes widerstandsnest

emporschießt. hinter der garage,

beim knirschenden kies, der kirsche: giersch

als schäumen, als gischt, der ohne ein geräusch

geschieht, bis hoch zum giebel kriecht, bis giersch

schier überall sprießt, im ganzen garten giersch

sich über giersch schiebt, ihn verschlingt mit nichts als giersch.

Rezension I Buchbestellung III15 LYRIKwelt © Hanser/J.W.