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Der Fluch der Dogon
(Leseprobe aus:
Der Fluch der Dogon, Roman, 2011,
Edition Nautilus).
Die Verschiebung
Die Nachmittagssonne flimmerte verschwommen über der
Rue Nelson Mandela in Bamakos Stadtteil Hippodrome.
Obwohl bereits der Feierabendverkehr eingesetzt hatte
und zahlreiche Mopeds und Motorräder über den Asphalt
rollten, vor allem die schicken Djakartas mit ihren noch
schickeren Fahrerinnen, deren schwarze Haare im Wind
wehten, und die, fest den Lenker umklammernd, in der
einen Hand auch noch ihr Täschchen, in der anderen ihr
Handy hielten; obwohl bereits viele grün bemalte Minibusse
des Nahverkehrs mit ihrem schwarzen Auspuffqualm
den vom ständigen Wind hochgewirbelten feinen Sandstaub
zu einer Smogmischung verdichteten, die bei Anwendung
deutscher Feinstaubverordnungen für Großstädte
zur sofortigen Einstellung des gesamten Verkehrs geführt
hätten; und obwohl bereits fabrikneue Luxuslimousinen
neben verbeulten Schrottmühlen das Ganze zu einer einzigen
Schlange machten, die nur noch träge vor sich hin
kroch, fegte ungerührt von alldem eine Putzkolonne von
fünf Arbeitern und Arbeiterinnen den Straßenrand und
erhöhte damit die Unfallgefahr der sich halsbrecherisch
zwischen den Autos durchschlängelnden Mopeds und Motorräder,
im Volksmund motos genannt.
Die Arbeiter trugen allesamt eine blassblaue, orange gesäumte,
sackartige Arbeitsuniform, dunkelblauen Mundschutz,
wie man ihn auf den Nachtflügen nach Bamako
von den Flugbegleitern als Augenschutz bekam, und kehrten
mit dicken, feinfaserigen Reisigbüscheln, die mit Draht
am unteren Ende ihrer Besenstangen befestigt waren. Sie
wirbelten den Sand und Staub der Straße damit mehr auf,
als dass sie ihn auf kleine Häufchen zusammentrugen,
die von den immer wieder heftig aufbrausenden Windböen
oft schon abgetragen waren, bevor die beiden der
Kolonne folgenden Kollegen die übrig gebliebenen Häuflein
Staub mit Schaufeln in ihre Eimer verfrachten konnten.
Auch wenn ihre Münder verdeckt waren, konnte man
doch in den Augen dieser sanften Enkel des Sisyphus
ein mildes Lächeln erkennen – als ob die ganze Hektik
der Rushhour nur eine neuzeitliche Geistererscheinung
sei.
Rezension I Buchbestellung IV11 LYRIKwelt © Edition Nautilus