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Piraten
(Leseprobe aus: Schattenbildwerfer, Gedichte,
2007, Lyrikedition
2000)
Goldringe vergruben wir
in den Blumenkübeln der Kleinstadt
Wir waren Fußgängerzonen-Piraten
mit den Händen zwischen Stiefmütterchen
Aus Mutters Schmuckschatulle hatten wir
nur ganz ganz dünnes Blech gestohlen
Um halbsechs war das Abendbrot
da gab es Sandkuchen und Schnaps
(Goldumhäkelt war der Abendrand)
Wir waren abgebrühte Diebesbande
auf dem Weg ins Lotterbett
Die Enge Straße wurde enger vor dem Fenster
Die Tagesthemen säuselten durch dünne Türen
die atomaren Gutenacht-Geschichten
Die alte Axt lag unterm Bett
Am nächsten Morgen war der Himmel
armageddonmäßig ausgeleuchtet
ein Ölschlierbild aus einer Wäscheschleuder
in Giftgrün und in Zyan und in dem
schönsten Bittermandelgelb
von durchgedrehten Hippiemädchen
zusammengeschmiert auf Gottes Flohmarkt
(dieser ultrabunte Himmel)
Letztlich dann verramscht
am Sonntagmorgen als ER ruhte
Im Eiscreme-Automaten
tickten zwanzig Geigerzähler
Im Grundigradio zur Mittagszeit
rasselten die Sturmgewehre
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