Heinrich von Morungen, Buchumschlag

Heinrich von Morungen

Uns ist zergangen
(„Heinrich von Morungen“, 1975 und 2.1992, sehr schöne bilinguale Ausgabe, aus der auch unser Textbeispiel stammt, hrsg. Tervooren).

Lied XXV: Uns ist zergangen
1
Uns ist zergangen    der lieplîch sumer.
    dâ man brach bluomen, da lît nu der snê.
mich muoz belangen,    wenne sî mînen kummer
    welle volenden, der mir tuot so wê.
    Jâ klage ich niht den klê,
        swenne ich gedenke an ir wîplîchen wengel,
    diu man ze vröide so gerne ane sê.
2
Seht an ir ougen    und merkent ir kinne,
    seht an ir kele wîz und prüevent ir munt.
Si ist âne lougen    gestalt sam diu minne.
    mir wart von vrouwen so liebez nie kunt.
    Jâ hât si mich verwunt
sêre in den tôt. ich verliuse die sinne.
    genâde, ein   k ü n i g i n n e,  du tuo mich gesunt.
3
Die ich mit gesange    hie prîse unde kroene,
    an die hât got sînen wunsch wol geleit.
in gesach nu lange    nie bilde alsô schoene
    als ist mîn vrowe; des bin ich gemeit.
    Mich vröit ir werdekeit
baz danne der meie und alle sîn doene,
    die die vogel singent; daz sî iu geseit.

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