Markus Veith

Über's Lügen

Niemand
- nicht einmal ich -
hat Ehrlichkeit verlangt
Gutes Verschweigen ist kein Lügen
Was ich weiß, macht mich nur heiß
Und ich friere nur noch
das Eis aus meinen Augen
Ich habe nichts gegen Lügen
Nur gut müssen sie sein
Ehrlichkeit degradiert die Dichter
Zu schweigenden Legasthenikern
Sentimentale Liebeslieder lallen durch die Stübchen
Geben sich Mühe beim Erinnern
An eine Insel, die alle tausend Jahre auftaucht
Wo Sterne auf blutenden Bäumen wachsen
Sich Geheimnisse erzählen
und ihre wunden Strahlen in den Nächten baden
Wo Brandspuren die Strände verzieren
Die Formen der Welt neu erwählen
Und die Wellen in das Land einladen
Wo man sich nicht gleich lieben darf
Aber pausenlos sich selbst verlieren
Und Realitäten nur sich selber schaden
Doch nach hundert Stunden versinkt die Insel
Was bleibt sind schwimmende Herzblutgerinsel
Ich kann keine Gedichte mehr schreiben
Kein Worte mehr da
Alle Lieder sind gesungen
Der Rest sind stumme Berichte über's Reden
Gefolgt von bleiernen Zeilen
Über Lügen
Von einer alle tausend Jahre auftauchenden Insel

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