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Die Landstrasse
(Leseprobe aus: Die
Landstrasse, Erzählungen, 2007, Nagel
& Kimche)
Sommer, aber ein jüngerer Sommer als dieser; ein
Sommer, an Jahren
noch gleichaltrig mit mir, war damals. Ich war zwar dennoch nicht
froh, nicht von Grund aus froh, aber ich mußte es sein in der Art, wie
es alle sind. Die Sonne zündete mich an. Sie labte sich an dem grünen
Kogel, auf dem ich saß, einem Kogel, der beinah eine heilige Form
hatte, und auf den ich mich geflüchtet hatte von dem Staube der
Landstraße. Denn ich war müde. Ich war müde, weil ich allein war.
Diese lange Landstraße vor und hinter mir… Ihr konnten die
Schleifen, die sie zog um diesen Kogel, ihr konnten die Pappeln
nicht, ihr konnte der Himmel selber nicht ihre Kläglichkeit nehmen.
Mir war bange, weil sie mich nach einer kurzen Wanderung schon in
ihre Not und Verkommenheit miteinbezogen hatte. Eine unheimliche
Landstraße war das. Eine allwissende Landstraße. Da ging nur, wer
in irgendeinem Sinne allein gelassen worden war.
Ich zog im Widerspruch dazu meinen Mundvorrat aus dem kleinen
Reisegepäck. Er war von der Hitze ungenießbar geworden. Ich mußte
ihn fortwerfen. Nicht einmal Vögel hätten ihn mehr gemocht. So
wurde ich auch dazu von dem Gefühle des Nicht-haben-Könnens
noch hungrig und durstig. Und keine Quelle war ringsum. Nur der
Kogel selber schien das Geheimnis einer Quelle zu bergen, tief in
sich, mir unerreichbar. Und wenn ich auch auf eine nahe Quelle
gehofft hätte, so würde ich sie doch nicht zu erreichen gesucht haben.
Ich war müde und ohne Tränen doch dem Weinen nahe.
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