Anton Tschechow

Gram
(Leseprobe aus: Von der Liebe, Erzählung, 1917).

Abenddämmerung. Große, nasse Schneeflocken wirbeln träge um die soeben angezündeten Straßenlaternen und legen sich als weiche Decke auf die Dächer, die Pferderücken, die Schultern und Mützen. Der Droschkenkutscher Jona Potapow ist weiß wie ein Gespenst. Er hat sich zusammengekrümmt, soweit es ein lebendiger Körper überhaupt kann, und sitzt unbeweglich auf dem Bock. Wenn auf ihn auch ein ganzer Schneeberg herabgefallen wäre, so hätte er es wohl nicht für nötig gefunden, den Schnee von sich abzuschütteln ... Auch sein Pferd ist weiß und unbeweglich. Mit seiner Unbeweglichkeit, seinen eckigen Formen und den stockgeraden Beinen erinnert es an ein Pferdchen aus Lebkuchenteig, wie man es für eine Kopeke kauft. Es scheint in seine Gedanken versunken zu sein. Ein Wesen, das man vom Pfluge, von der gewohnten, grauen Umgebung losgerissen und in diese Hölle voller entsetzlicher Lichter, unaufhörlichen Lärms und rennender Menschen hineingeworfen hat, muß denken ...

Jona und sein Pferdchen stehen längst unbeweglich da. Sie sind schon am Vormittag hinausgefahren, haben aber noch immer nichts verdient. Da senkt sich aber über die Stadt die Abenddämmerung. Die blassen Farben werden lebhafter, und das Straßenleben tönt lauter.

»Kutscher, in die Wyborgsche Straße!« hört Jona. »Kutscher!«

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