Simone Trieder

Im Prinzip lieb
(Leseprobe aus: Im Prinzip lieb, Erzählung, 2009,
Mitteldeutscher Verlag).

Graf drückte, friedlich gestimmt, auf die Taste mit der Lucky-Strike-Marke.
Iv saß schon im Auto und hörte aufmerksam Nachrichten. „Also denn“, sagte sie. Es ging zu Vivian, die ihre Mutter zu einem Abrisshaus bestellt hatte. Felix war im Spätdienst, deshalb hatte Iv Graf gebeten mitzukommen. Im Kofferraum lag eine monströse Ziehharmonika-Liege, nach der Vivian verlangte. „Die steht doch sowieso nur bei euch im Schuppen rum.“
„Wir kriegen sie am Wohlstandshaken“, hatte Iv gesagt. „Sie ist ein verwöhntes Einzelkind, das verzichtet doch nicht auf das, was ihr das Leben ganz automatisch anbietet.“
„Sie revoltiert, das ist ganz normal, dass ein Kind in ihrem Alter gegen die Eltern revoltiert“, sagte Graf.
„Weil wir so schreckliche Eltern sind“, Iv gab Gas. „Und was ist mit deinen Kindern, weißt du, ob sie nicht gerade auf der Straße leben und sich fragen, wo ihr Vater ist?“
Graf sah geradeaus. „Ich weiß es nicht.“

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