Im Prinzip lieb
(Leseprobe aus: Im Prinzip lieb, Erzählung, 2009,
Mitteldeutscher Verlag).
Graf drückte, friedlich gestimmt, auf die
Taste mit der Lucky-Strike-Marke.
Iv saß schon im Auto und hörte aufmerksam Nachrichten. „Also denn“, sagte sie.
Es ging zu Vivian, die ihre Mutter zu einem Abrisshaus bestellt hatte. Felix war
im Spätdienst, deshalb hatte Iv Graf gebeten mitzukommen. Im Kofferraum lag eine
monströse Ziehharmonika-Liege, nach der Vivian verlangte. „Die steht doch
sowieso nur bei euch im Schuppen rum.“
„Wir kriegen sie am Wohlstandshaken“, hatte Iv gesagt. „Sie ist ein verwöhntes
Einzelkind, das verzichtet doch nicht auf das, was ihr das Leben ganz
automatisch anbietet.“
„Sie revoltiert, das ist ganz normal, dass ein Kind in ihrem Alter gegen die
Eltern revoltiert“, sagte Graf.
„Weil wir so schreckliche Eltern sind“, Iv gab Gas. „Und was ist mit deinen
Kindern, weißt du, ob sie nicht gerade auf der Straße leben und sich fragen, wo
ihr Vater ist?“
Graf sah geradeaus. „Ich weiß es nicht.“
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