Gesänge an Innsbruck von Boško Tomaševic, 2006, Berenkamp

Boško Tomaševic

Föhn in Innsbruck
(Leseprobe aus: Gesänge an Innsbruck, Gedichte, 2006, Berenkamp-Verlag - Übertragung Helmut Weinberger).

Von Igls schwingt er sich auf die Nordkette
und lässt sich wieder fallen,
sucht sich neue Tunnels
zu raschem Begeisterungstaumel.
Seit uralten Zeiten
schneidet er dem Inn den Weh ab.

Er fährt ins Haar hinein,
hurtig ins Geheimnis des Tages.
Er bringt ein wenig Angst und Einsamkeit
und weckt eine Vielzahl von Rettungswagen;
er trägt die Hüte davon und passt
schmeichelnd auf
auf die Gewänder der Damen,
er singt mit den Kirchenglocken
und kühlt heiße Küsse,
geht Wiesen und Löwenzahn auf den Nerv.

Obdachlos steigt er in die Tram.
Bringt bei Tagesanbruch Regen und
Vitrinen mit Alpenklee vor dem Erwachen.

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