33mal Hoffnung
Streichholz im Nebel
blaue Flämmchen, Töpfe
und Melittafilter
in lackierten Küchen
Frankreich am frühen Morgen
im Café, hastig
die Zeitung, man sucht
ein Zeichen, eine Spur
die genaue Angabe
auf der Sportseite
Tagesanbruch
im Durchzug
Händedrücken
bei jedem Wetter
morgen wirds schon besser gehn
Fabriktor
es kommt eine bessere Zeit
frische Plakate
die Wächter mit ihren Mützen
der Tagesbefehl
riesige weiße Schiffe
schnurgrade Bahnen
Überschaubarkeit, Wandsprüche
Parkplatzvorstädte
irgendwann findet man sie schön
neben den Wohntürmen
die Böschungen
Matratzen, Ölkanister
Drahtgitter, Dornengestrüpp
und Plastiktüten vom Supermarkt
zwischen den bunten Pfützen
mit den Kornwürmern
streunen schwarze Hunde
stumm, namenlos
lange umher
und allzu zerbrechlicher
Lidrand
der Hals umwickelt
von den schweren Schals
des Vorstadtnebels
schlimme Not
die man erahnt
herumlungernde Worte
die man wiederholt
sozusagen
er spricht einen auf der Straße an
er sucht Arbeit
man zögert, man sagt
was einem gerade einfällt
und geht dann einen Kaffee trinken
der Fahrstuhl, der Spiegel
scharfer Parfümgeruch
blutrot glänzende Lippen
fluoreszierende Halstücher
für die bevorstehenden Nächte
glatter Teppichboden
doppeltes Panzerglas
kurzfristiges Glück
und Existenzminimum
bitte hier sprechen
flüchtig wahrgenommene Geste
in den Kasten gesteckter Zettel
weißt du noch
man erinnert sich
bestürzt
Samstagabend, das Fest
das Basketballspiel
Ellbogen an Ellbogen vor dem Schalter
und diese Vorfreude in der Brust
voller Preis
die Leute vom dritten Rang
Stehplätze in den Kurven
Fahnen, Nebelhörner
da ist man immer
im selben Boot
Scheinwerfer, Lautsprecher
Nieselregen auf das gemeine Volk
undurchlässige Freude
rund um die bengalischen Feuer
die große Menge beim Derby
in kurzen Hosen zwischen den Netzen
auf gefrorenem Platz
sonntagsmorgens
ohnen Kabinen, mit zehn Jahren
auf ein Ziel, ein Tor zu
der Bus zum Ferienlager
schreib uns mal, und viel Spaß
das eigene Kind inmitten der anderen
die Stirn gegen das blaugetönte
Sicherheitsglas gepreßt
vereinzelte Frauen, flinke Kinder
Einzelgänger der Einkaufszentren
säuerliches Neonlicht
bleierne Discomusik
vakuumverpackte Hoffnung
der Fremde, den man im Auto
mitnimmt, der schweigt
und schließlich einschläft
den man in der Stadt weckt
und beim U-Bahn-Eingang absetzt
dastehen ohne zu sprechen
ohne verstehen zu wollen
zu schnelle Nachricht
vom andern Ende des Drahts, und nun
hängt man nicht ein
viel zu kurze Tage
die zerbröckeln, auseinanderlaufen
unwiderruflich flüchtige Tage
die eisglatten Flächen
des Telephonbuchständers
die Freunde, die sich verabschieden
und zu weit weg ziehen
die Geschäfte, die Nachbarn
die Kinder, selbst die Jahreszeiten
nichts ist mehr wie vorher
die heimgekehrt sind
die Großväter 14/18
die Väter 194o
die Brüder aus Algerien
ohne viel Aufhebens
gelb, rot
über das Steuer geneigt
das Gefühl, sich in Zeitlupe
im Kreis zu bewegen, Seufzen
hermetisch abgeriegelt
Straßenkreuzung
wo man auf der Stelle tritt
ohne miteinander zu sprechen
man schaut sich um
einer nach dem andern
nichts geht mehr
Choke wieder rein
Zündschlüssel raus
und stehenbleiben
mit leerer Batterie
bei so niedrigem Himmel
Regen um sechs Uhr abends
Horizont im Scheinwerferlicht
die prompten Dramen
auf den Ringstraßen
Schlange auf der Autobahn
Leitplanken
der Fluß mit rosa Schaumflocken
die ewigen Möwen
die blauen Lauchfelder von Solaize
Gas geben, überholen
Bremse durchtreten, Vorfahrt
grade Linie, voll aufblenden
ein Tag geht
irgendwie zu Ende
die Leuchtziffern zeigen 2o Uhr
der Sahel in den Nachrichten
eisiges Lächeln
Lotto hätte man spielen sollen
Zubehör für den Kopf
Sonntagabend
Wettervorhersage, Werbung
Programm wie gehabt
großer Film wie gehabt
das Herz auf dem Amboß
und im Dunkeln
die heimlichen Seiten
dieser lange Roman
in dem man einschläft
im allerletzten Augenblick
(Aube, Vénissieux 1988)
Rezension I Buchbestellung 0I03 LYRIKwelt © Verlag Im Wald