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Worte zahlen
keine Schulden
(Leseprobe aus: Hübsche Versuche, 2000,
Scalo)
Jeder Tag hat seine Plage, bekanntlich, und heute wird mir nichts erspart
bleiben. Keiner konnte das Schicksalsphantom sehen und hören, wie es mit
trompetenhaftem Schreien über die nächtlichen Hügel raste. Es reckt seine
habsüchtigen Hände nach mir: Bei der mittäglichen Ankunft am Briefkasten
entdecke ich eines jener Couverts, die nur von meinem Vater stammen können. -
Mein Vater, der heute von Löwen und Scharfrichtern begleitet zu sein scheint
und in einem Gepränge von Schrecken einherschreitet, hält fürchterlich
Musterung und teilt mir in wetterfesten, eisenharten Worten mit, dass ich ja nun
schon siebzehn Semester studierte, wie er verdankenswerterweise für mich
ausgerechnet hat, und dass er seine Unterhaltszahlungen einstellen werde (um
seine Formulierung zu gebrauchen, da mein Vokabular hier blinde Flecken
aufweist). Das Schreiben ist im Stil eines gerichtlichen Bescheides aufgesetzt.
Auf der Schreibmaschine. Auch kargt mein Vater wieder nicht mit Platitüden wie:
Angetreten bist du mit dem Versprechen, bIah-bIah... - Mein Vater ist
Amtsrichter, auf dem Lande, in der niedersächsischen Provinz, einer völlig
flachen Gegend. Ein schöner, stiller, unhastiger Landstrich. Die Wipfel seiner
Wälder rauschen verträumt, in der Heide blöken die Schäfchen, seine Äcker
dehnen und breiten sich, treu bestellt; das Dienstleistungswesen ist
unterentwickelt bis zur Dürftigkeit, und die Leute lassen sich durch Fliegen in
der Küche nicht aus der Ruhe bringen. ....
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