Grenzgang von Stephan Thome, 2009, Suhrkamp

Stephan Thome

Grenzgang
(Leseprobe aus: Grenzgang, Roman, 2009, Suhrkamp).

1

Trotz allem, denkt sie: Der Garten ist ein Traum. Von Osten

her brechen Sonnenstrahlen durch die Ligusterhecke, legen sich

waagerecht über aufblühende Beete und nehmen die Stämme

von Birken und Kastanien in Besitz. Eine Stille aus Vogelgezwitscher

und Insektengesumm füllt die schattenkühle Luft des

beginnenden Tages und lässt alle anderen Geräusche verblassen:

Verkehr auf der Hauptstraße und Schülergeschrei unten im Ort.

Ein Netz aus weißem Tau bedeckt die Wiese, löst sich langsam

auf, wo Sonnentupfer durch das Blattwerk fallen, und beteiligt

sich am Wechselspiel von Licht und Schatten. Schmetterlinge

umgarnen den Flieder in seinem blauen Tongefäß.

Im Morgenmantel steht Kerstin auf der Terrasse und drückt

sich die Zeigefingerspitzen gegen die Schläfen. Ein Auto kommt

vom Maibaumplatz den Rehsteig herab, passiert das Haus und

biegt links ab, talwärts und fast ohne Gas, wie in nachbarschaftlicher

Sorge um die morgendliche Ruhe. Dann kehren Stille

und Vogelgezwitscher zurück, als wären sie zwischen Hecken

und Bäumen in Deckung gegangen.

Hinter ihr im Haus rauscht die Wasserleitung.

Nach dem Frühstück und der ersten Tasse Kaffee fühlt sie

sich beinahe gut, beinahe dem Tag gewachsen, obwohl sie wieder

schlecht geschlafen hat und erst die Gartenarbeit am Nachmittag

diesen Anflug von Kopfschmerzen vertreiben wird: ein

Druckgefühl dicht unter der Schädeldecke. Ohne Zypiklon

entlässt ihr Schlaf sie schon um vier Uhr morgens in die fahle

Dämmerung eines weiteren Tages, aber jetzt ist es neun, und

Kerstin macht einen Schritt nach vorne, spürt die Wärme der

Sonne angenehm an den nackten Fesseln. Jedes Jahr im Frühling

gibt es einen Tag, an dem sie das Gefühl hat, der nächste

Sommer ziehe wie ein großes Versprechen herauf, reite ihr von

den grünglänzenden Bergrücken am Horizont entgegen, und

obwohl sie es besser weiß, lässt sie sich verzaubern von seinem

Anblick und ist machtlos gegen den Glauben, dass in diesem

Sommer alles besser werden wird.

– Und warum nicht?, würde Anita sagen. Jedenfalls besser als

Selbstmitleid.

– Stattdessen Selbstbetrug.

– Du müsstest nur auf mich hören und endlich wegziehen

aus diesem Kaff.

Kerstin lässt die Hände sinken und schüttelt den Kopf. Vielleicht

ist es die schiere Länge des Hinterländer Winters, die sie

gegenüber dem Sommer so leichtgläubig macht. Dieses Jahr hat

bis in den März hinein Schnee gelegen, und in ihrem Rücken

zieht sich immer noch ein feuchter Streifen entlang des Winkels

von Terrassenboden und Hauswand und verbreitet den Geruch

alter Zeitungen. Und übrigens kann sie nicht wegziehen. Erstens

weil sie nicht weiß wohin, zweitens wegen Daniel, drittens

wegen ihrer Mutter, und viertens …

Sie lässt den Blick durch den Garten schweifen und bleibt an

der großen Hecke hängen. Meinrichs haben ihre Seite trimmen

lassen vor einer Woche und nicht versäumt, ›der Frau Nachbarin‹

anzubieten, die fröhlichen Helfer aus der Behindertenwerkstätte

auch auf die andere Seite zu schicken. Der ›Frau

Nachbarin‹ – so als wären sie sich nach fast sieben Jahren des

Namens noch immer nicht sicher, als gäbe es zum Beispiel kein

Schild neben der Tür, an die Frau Meinrich eigens gekommen

ist, um das Angebot zu überbringen. Mit diesem vorwurfsvollen

Gesichtsausdruck, den Kerstin erst noch lernen muss als eine

bestimmte, dem Alter eigene Form der Fürsorglichkeit zu verstehen.

(Viertens schließlich: Was geht das Anita an?) Dankend

hat sie abgelehnt und auf ihren Sohn verwiesen, der mit seinen

sechzehn Jahren wohl in der Lage sei, eine Hecke zu stutzen.

Sie Glückliche! Frau Meinrich – mürrisch, dauergewellt und zu

aufdringlich parfümiert – hat sich auf ihren Stock gestützt und

nicht näher erläutert, worin sie das Glück ihrer Nachbarin sieht.

Dass seine steile politische Karriere Meinrich Junior bis ins ferne

Wiesbaden verschlagen hat, geht kaum als Unglück durch, und

deshalb weiß Kerstin auch im Rückblick nicht zu entscheiden,

wie viel Aufrichtigkeit in Frau Meinrichs Bemerkung gelegen

hat und was gegebenenfalls das andere gewesen sein mochte.

Durch die Hecke hindurch sieht sie eine schemenhafte Bewegung

im Garten ihrer Nachbarn. Erst neulich wieder war

ein Bild im Bergenstädter Boten, auf dem Klaus Meinrich die

Aktentasche des hessischen Ministerpräsidenten vor sich hertrug,

mit messdienerhaftem Ernst in der Miene, während der

Ministerpräsident selbst nebenher schritt und sein übliches,

routiniertes Gesicht machte. Immer noch trägt der Junior den

Bürstenhaarschnitt des Vaters, und soweit ein Schwarzweißbild

darüber Aufschluss gibt, scheinen sich auch die Blutdruckwerte

einander anzunähern. Tipptopp ist eins der Lieblingswörter des

Alten, egal ob es um Frisuren, Hecken oder Politiker geht, und

Daniel kann ihn imitieren, wie er dabei eine Miene macht, als

zitiere er griechische Klassiker im Original. Wie schon Platon

wusste: Hauptsache tipptopp.

Im Innern des Hauses wird die Badezimmertür geöffnet. Der

Gedanke an Daniel, den sie gerade hat festhalten wollen, entgleitet

ihr wieder. Das Quietschen orthopädischer Schuhe setzt

einen Moment aus und dann wieder ein, und Kerstin fühlt ihre

Rückenmuskeln steif werden, als hätte sie eine falsche Bewegung

gemacht. Langsam durchquert ihre Mutter die Diele. Den Stock

hat sie sich unter den Arm geklemmt, so dass die Spitze beim

Gehen gegen die Wand tippt, denn in den Händen trägt Liese

Werner ihren Zahnputzbecher, der gegen alles Zureden seinen

festen Platz auf dem Nachttisch neben dem Bett hat. Sonst stehlen

ihn ›die Männer‹. Auf dem Esstisch steht das Frühstücksgeschirr,

und Kerstin sieht im Geist die Stockspitze eine weitere

Kaffeekanne über die Kante schubsen, während ihr Körper sich

weiter versteift, je länger das Geräusch zerspringenden Glases

ausbleibt. Dann verstummt das Quietschen der Schuhe, Kühle

fließt von der Terrasse ab, und in Kerstins Rücken stößt ein

Blick, nein, stößt nicht – stupst, berührt sie mit der sanften,

kindergleichen Hilflosigkeit des Alters. Eigentlich, fällt ihr auf,

hat die Hecke noch kaum ausgeschlagen; sie wird also Schwierigkeiten

bekommen, ihrem scharfsinnigen Sohn zu erklären,

warum sie trotzdem geschnitten werden muss.

»Muss ich denn dann meine Medizin noch nehmen?«

Vogelgezwitscher füllt ihren Garten. Blätter hängen reglos in

der Morgenluft. Herzlichen Glückwunsch, Kerstin, denkt sie.

Dann schließt sie die Augen.

»Hast du schon, Mutter. Gleich nach dem Frühstück.«

»So?«

»Ja.«

»Da waren doch wieder welche im Haus heute Nacht.«

»Nein, niemand.«

»In der Küche. Ich hab sie gehört, ja.«

In der Küche hab ich dich gehört, denkt Kerstin. Um halb

zwei. Unerwartet schwer scheint die Sonne auf ihre Lider und

verursacht einen Eindruck von formlosem Rot, das weder nah

noch fern, noch sonst wie bestimmt ist, nur eine Farbe, die

vor ihrem Auge schwimmt und sich warm anfühlt. Angenehm

warm.

»Zwölf Grad waren’s am Morgen.«

schlossenen Augen den Hang hinabzusprechen. Langsam wendet

sie den Kopf.

Im blauen Alltagskittel steht Liese Werner in der offenen

Tür, den Stock unter der Achsel und den Unterarm schräg abgewinkelt,

mit einer Hand am Türrahmen. Die andere Hand

hält den Becher. Letztes Jahr um diese Zeit hat sie noch bei

Hans gewohnt und am fünfzehnten in Bergenstadt angerufen,

aber an diesem Morgen deutet nichts auf ein Wissen um den

Geburtstag ihrer Tochter, und Kerstin hat es beim Frühstück

unterlassen, sie daran zu erinnern.

»Du hast noch Wasser im Becher, pass auf«, sagt sie, bedacht

auf ihren Tonfall.

»Bitte?«

»Du tropfst. Da!«

Etwas Pinguinartiges liegt in der Kopfbewegung, mit der ihre

Mutter an sich herabsieht.

»Trocknet schon wieder«, sagt Kerstin. Der kurze Moment

aus Sonne und Stille verflüchtigt sich, und sie hascht nach ihm

wie nach einem vom Wind fortgewehten Hut. »Ist das nicht

herrlich, das Wetter? Der erste richtige Sommermorgen und …

nein, lass es einfach von selbst trocknen. Mutter!« Sie macht

einen Schritt nach vorne, während ihre Mutter sich bückt, um

den nassen Fleck auf dem Boden zu beseitigen, der unterdessen

größer wird, weil Kerstin den Arm mit einem Ruck ergreift,

wie immer erschrocken über die Weichheit des Fleisches, das sie

unter ihrem Griff und dem Stoff des Kittels fühlt.

»Lass einfach«, sagt sie noch einmal und spürt ihr eigenes Lächeln

auf dem Gesicht wie ein Spannen zu trockener Haut. »Du

könntest ein paar Schritte im Garten … oder auf der Terrasse,

du könntest dich ein bisschen bewegen in der Sonne.«

»Der Doktor kommt heute Nachmittag, ja, und es ist noch

nichts fertig.«

»Mutter, es ist Montag.«

»Hoffentlich verschreibt er mir was gegen mein schlimmes

Bein. Und die Kopfschmerzen.«

Mehrmals am Tag kontrolliert

ihre Mutter das Thermometer auf der Fensterbank, und

Dr. Petermann sagt, dass Demenzkranke häufig dieses auffällige

Interesse am Wetter entwickeln. Für die Männer allerdings hat

auch er keine Erklärung, außer der, die alles erklärt: das Alter.

»Ganze zwölf Grad«, wiederholt ihre Mutter. »Das wird noch

was geben, ja.«

»Jetzt sind es mehr.«

»Bitte?«

»Jetzt ist es wärmer.«

»Wird bald wieder, ja«, sagt ihre Mutter nach einer Pause,

in der Kerstin ihrer eigenen Stimme nachgehorcht hat, der

Anstrengung des lauten Sprechens in einzelnen Silben. Sie bekommt

davon Falten um die Augen und Schmerzen hinter den

Schläfen und bringt es sowieso nicht länger über sich, mit ge-

schlossenen Augen den Hang hinabzusprechen. Langsam wendet

sie den Kopf.

Im blauen Alltagskittel steht Liese Werner in der offenen

Tür, den Stock unter der Achsel und den Unterarm schräg abgewinkelt,

mit einer Hand am Türrahmen. Die andere Hand

hält den Becher. Letztes Jahr um diese Zeit hat sie noch bei

Hans gewohnt und am fünfzehnten in Bergenstadt angerufen,

aber an diesem Morgen deutet nichts auf ein Wissen um den

Geburtstag ihrer Tochter, und Kerstin hat es beim Frühstück

unterlassen, sie daran zu erinnern.

»Du hast noch Wasser im Becher, pass auf«, sagt sie, bedacht

auf ihren Tonfall.

»Bitte?«

»Du tropfst. Da!«

Etwas Pinguinartiges liegt in der Kopfbewegung, mit der ihre

Mutter an sich herabsieht.

»Trocknet schon wieder«, sagt Kerstin. Der kurze Moment

aus Sonne und Stille verflüchtigt sich, und sie hascht nach ihm

wie nach einem vom Wind fortgewehten Hut. »Ist das nicht

herrlich, das Wetter? Der erste richtige Sommermorgen und …

nein, lass es einfach von selbst trocknen. Mutter!« Sie macht

einen Schritt nach vorne, während ihre Mutter sich bückt, um

den nassen Fleck auf dem Boden zu beseitigen, der unterdessen

größer wird, weil Kerstin den Arm mit einem Ruck ergreift,

wie immer erschrocken über die Weichheit des Fleisches, das sie

unter ihrem Griff und dem Stoff des Kittels fühlt.

»Lass einfach«, sagt sie noch einmal und spürt ihr eigenes Lächeln

auf dem Gesicht wie ein Spannen zu trockener Haut. »Du

könntest ein paar Schritte im Garten … oder auf der Terrasse,

du könntest dich ein bisschen bewegen in der Sonne.«

»Der Doktor kommt heute Nachmittag, ja, und es ist noch

nichts fertig.«

»Mutter, es ist Montag.«

»Hoffentlich verschreibt er mir was gegen mein schlimmes

Bein. Und die Kopfschmerzen.«

»Doktor Petermann kommt mittwochs, jeden ersten Mittwoch

im Monat, und er war erst vorletzte Woche da. Heute

kommt er nicht.«

»Nicht?«

»Nein.«

»Wir könnten Hans fragen.«

»Ist es wieder schlimm mit dem Bein?« Wie ein Loch im Boden

hat sie die Frage vor sich gesehen und einen Schritt zur Seite

machen und sagen wollen: Dein Bein braucht Bewegung, das

ist alles. Die Kopfschmerzen, über die ihre Mutter neuerdings

klagt, scheinen einer Art Rotationssystem anzugehören, in dem

sich die schmerzenden Körperpartien abwechseln: Knie, Hüfte,

Schulter, Kopf, und wieder von vorne. Nur das Bein tut angeblich

immer weh.

»Viel Schmerzen.«

»Vielleicht braucht dein Bein einfach …«

»Wir könnten Hans fragen.«

»Am Telefon kann er dir nichts verschreiben. Außerdem ist

jetzt Doktor Petermann dein Arzt.«

»Der kommt ja nicht.«

»Er war hier. Hast du ihn nicht gebeten, dir was zu verschreiben?«

»Er hat meinen Blutdruck gemessen, ja.«

»Ob du ihn nicht gefragt hast …?« Kerstin blickt in die

wässrige Trübnis hinter dicken Brillengläsern, auf diesen

Schleier aus Unverständnis, und sie wünscht, Hans könnte

das einmal sehen, statt immer nur am Telefon zu befinden,

seine Mutter höre sich großartig an. Kerngesund. Hans, der

ihr beim Umzug dieses Lachen der Zuversicht ins Gesicht geschmissen

und zum Abschied gesagt hat, so sei es das Beste für alle.

»Nicht?«, wiederholt sie.

Ihre Mutter steht nickend vor ihr, als würde sie im Geiste die

nächsten Schritte proben, das Lösen der Hand vom Türrahmen,

die halbe Körperdrehung, das Ergreifen der Türklinke.

»Dann will ich mal mein Bett machen«, verkündet sie schließlich.

»Falls der Pfarrer kommt, ja.«

Kerstin sieht ihr nach, wie sie in ihrem Zimmer verschwindet,

hinter einer Tür, die gezeichnet ist von den weißlichen

Rückständen der vielen Aufkleber, die Daniel dort platziert hatte,

als es noch sein Zimmer war. Der Raum besitzt ein großes

Fenster zum Garten und Zugang zum Balkon, mit Blick über

das Bergenstädter Tal und zum Himmel darüber, den Daniel jeden

Abend durch sein Teleskop betrachtet hat. Von den beiden

Kammern im Keller sieht er nur die Einfahrt und Meinrichs

Hecke und bekommt mit, wenn nachts der Schemen des Alten

im Milchglasfenster des Badezimmers steht: gestikulierend,

schimpfend, seine Prostata verfluchend, aber der Himmel ist

nichts als ein kleines Stück Nordosten zwischen Dachrinne und

Hecke. Daniel hat es ihr gezeigt und die Schultern gezuckt: Darf

ich vorstellen: Mein Anteil vom Besten für alle.

›Das Beste für alle‹ ist ein geflügeltes Wort geworden am Rehsteig 52.

Sie geht ins Bad.

Draußen fahren Autos vorbei, Kerstin duscht und bindet sich

die Haare zum Pferdeschwanz, kippt das Fenster und putzt sich

die Zähne, während Dunstschleier zum Fenster hinausziehen.

Ein Stütz-BH in Fleischfarbe hängt über der Stange vor dem

Heizkörper.

Wie immer kommt es plötzlich. Einen Moment lang steht sie

vor dem beschlagenen Spiegel, reißt die Augen auf und atmet

tief durch, wie in der Küche beim Zwiebelschneiden. Da ist ein

Pochen hinten im Hals, und das Geräusch ihres eigenen Atems

kommt ihr vor, als stünde sie draußen auf einem weiten Feld.

Trotz des offenen Fensters scheint der Dunst im Bad immer

dichter zu werden. Den Blick auf ihre Füße gerichtet, zählt Kerstin

die Sekunden. Wundert sich über die rätselhafte Präzision,

mit der dieses Räderwerk der Erinnerung in ihr arbeitet und

in zwei Umdrehungen den Sprung in ein anderes Bad schafft.

Manchmal reicht ein fleischfarbener Stütz-BH aus, um alles ins

Rollen zu bringen. Anita hat Recht, sie muss weg hier. Und

langsam atmen. Warten. Sie schaut in den Spiegel, als ob sie

ihren Sohn darin sähe, in jenem anderen Bad, an das sie sich

nicht erinnern will und das jetzt sowieso anders aussieht. Man

nimmt den Mann, wie er ist, aber das Bad räumt man um. Nur

Daniel sieht sie, der nach einem schwarzen Teil greift, es am

einen Ende baumeln lässt und die zwei Körbchen betrachtet, die

sich wie eine Atemmaske auf Mund und Nase legen lassen. Ein

jugendlicher Akt der Neugierde. Das Gefühl von Seide zwischen

den Fingerspitzen. Langsam verzieht sich der Dunst vor ihrem

Spiegel und sagt ihr, wie es ist: vierundvierzig Jahre und allein.

Sie hat gelernt, ihre Tränen zurückzuhalten, aber Fragen gibt es,

die müssen gestellt werden: Weiß ihr Sohn, wie die Frau riecht,

die ihr Ex-Mann v-ö-g-e-l-t? Und Tage gibt es, da glaubt sie den

Verstand zu verlieren, wie im Handumdrehen, als hätte sie nie

einen besessen.

(...)

Rezension I Buchbestellung I home III09 LYRIKwelt © Suhrkamp Verlag