Lothar Thiel

was ist und was vermag die lebens-kunst?
podiumsgespräch über perspektiven einer neuen ästhetik

„wenn zwei zungen sich umschlingen
und zur liebeskunst aufschwingen,
dann muss magisches gelingen:
lediglich der zungenkuss
bietet echten kunstgenuss!“

„das wär‘ ja wohl der größte stuss!
nein! es ist die kunst des krieges,
die das hochgefühl des sieges
ihrem virtuosen schenkt –
und den rest in blut versenkt.“

„eine nette art des schenkens!
doch die kunst des klaren denkens
zieh‘ ich solchem irrsinn vor.
denn der mensch, will er nicht leiden,
strebet, fehler zu vermeiden.“

„ach, was soll dies eitle streben,
wenn wir täglich doch erleben:
alles wird zum eigentor!
darum lasst die liste mich erweitern
um die kunst, gekonnt zu scheitern!“

staunend lauscht der künstler diesem chor,
doch 'ne kunst der kunst schlägt er nicht vor:
„ist das leben schon sein eig’ner reim,
braucht ihr mich nicht; dann geh‘ ich heim.“

also spricht der versschmied schlicht –
und schreibt dazu ein gedicht.
 

(Hellmuth Opitz gewidmet)

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