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Der Duft der Dinge
(Leseprobe aus: Der Duft der Dinge, Roman,
2001, Verlagsbuchhandlung Liebeskind - Übertragung
Peter
Klöss)
Diesmal war keiner von beiden laut geworden, ja es war, wie man so schön sagt,
eine Trennung unter zivilisierten Leuten, ohne Geschrei, Türenschlagen, Tränen,
ohne eine um mindestens eine Oktave höhere Stimmlage; und ohne daß Lia, wie
sonst, sofort bei ihren Schwestern angerufen hätte, wie früher immer bei der
Mutter, um Bericht zu erstatten über jedes Problem, jede Diskussion und jeden
Streit, jede Reise, jeden Tag und sogar jede Nacht: Was ist denn schon dabei? Es
bleibt ja in der Familie...
Also hatten sie beschlossen, getrennte Wege zu gehen, auch wenn keiner von
beiden hätte sagen können, wie lang diese Wege noch sein würden: Beide hatten
die Fünfzig schon überschritten, die Zwillinge waren schon erwachsen und
standen auf eigenen Beinen, das heißt, beide hatten Arbeit, Frau und Kinder,
mit denen sie sich ab und zu zankten, was ja in den besten Familien vorkommt,
ganz zu schweigen von den schlechtesten, wo Teller und Ohrfeigen hin und
herfliegen und man einander anschließend in die Notaufnahme fährt und dem
diensthabenden Polizisten hoch und heilig schwört, das Kind oder der Gatte habe
sich den Kopf am Heizkörper angeschlagen.
Und so riß Tizio am folgenden Morgen, nach acht aufeinanderfolgenden Stunden
Erquickungsschlaf, das Fenster auf und setzte sich im sträflingsgestreiften
Pyjama der Bora aus, die in heftigen Böen von Norden blies. Zur Musik aus dem
endlich laut aufgedrehten Radio rasierte er sich sorgfältig, seifte sich in
aller Ruhe mit einer Rasiercreme made in Finland ein, die wie alles, was aus
diesem wunderbaren Land stammt, gut frisch rational sauber solide elegant
ordentlich demokratisch reich an Chlorophyll sein und nach Harz duften mußte,
übrigens war auch die Rasierklinge skandinavisch, aus bestem Kiruna-Stahl (Sverige),
und so rasierte er sich mit dem Strich und dagegen, ohne sich zu schneiden und
ohne daß irgend jemand ihn von draußen zur Eile drängte.
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