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Sommerregen
(Leseprobe aus: Sommerregen, Erzählungen, 2008,
Literaturca -
Übertragung Beatrix Caner).
Verwundert erblickte er die junge Frau im strömenden Regen, als er durch das
Gartentor trat. Ihre Hand lag auf der mitten im Garten ausgedörrten Palme, als
würde sie sie streicheln, in ihrem Gesicht spielte ein verträumtes, glückliches
Lächeln.
'Das wird wohl eine andere Spezies sein... was meinst du lieber Hacivat?´
schmunzelte er. Hacivat antwortete arrogant. 'Was kümmern mich die Verrückten.
Mich gelüstet es nach klugen Geschöpfen, wie Karagöz!'
Es war seine Gewohnheit seit der Kindheit, mit Karagöz und Hacivat
Zwiegespräche zu führen. Während einer langen Erkrankung wurde er mit den beiden
so vertraut, dass sie ihm trotz der inzwischen vergangenen dreißig Jahre als ein
untrennbarer Teil seiner Persönlichkeit erschienen. Die Frau war in Gedanken
versunken. Weder Sabris laute Frage an Hacivat, noch seine Schritte hatte sie
gehört. Sie bemerkte ihn erst, als er ganz nahe kam. Sie zog ihre Hand vom Baum
zurück. Der erschrockene Ausdruck auf frischer Tat ertappter Kinder tauchte für
einen Augenblick in ihrem Gesicht auf, doch als sie Sabri lachen sah, kehrte das
alte Lächeln wieder zurück. Mit einem kleinen Menuetteschritt drehte sie sich um
die eigene Achse und begrüßte ihn, den Rockzipfel mit beiden Händen
hochgehalten.
Rezension I Buchbestellung I home IV08 LYRIKwelt © Literaturca Verlag