Sommerregen von Ahmed Hamdi Tanpɪnar, 2008, Literaturca

Ahmed Hamdi Tanpɪnar

Sommerregen
(Leseprobe aus: Sommerregen, Erzählungen, 2008, Literaturca - Übertragung Beatrix Caner).

Verwundert erblickte er die junge Frau im strömenden Regen, als er durch das Gartentor trat. Ihre Hand lag auf der mitten im Garten ausgedörrten Palme, als würde sie sie streicheln, in ihrem Gesicht spielte ein verträumtes, glückliches Lächeln.
   'Das wird wohl eine andere Spezies sein... was meinst du lieber Hacivat?´ schmunzelte er. Hacivat antwortete arrogant. 'Was kümmern mich die Verrückten. Mich gelüstet es nach klugen Geschöpfen, wie Karagöz!'
   Es war seine Gewohnheit seit der Kindheit, mit Karagöz und Hacivat Zwiegespräche zu führen. Während einer langen Erkrankung wurde er mit den beiden so vertraut, dass sie ihm trotz der inzwischen vergangenen dreißig Jahre als ein untrennbarer Teil seiner Persönlichkeit erschienen. Die Frau war in Gedanken versunken. Weder Sabris laute Frage an Hacivat, noch seine Schritte hatte sie gehört. Sie bemerkte ihn erst, als er ganz nahe kam. Sie zog ihre Hand vom Baum zurück. Der erschrockene Ausdruck auf frischer Tat ertappter Kinder tauchte für einen Augenblick in ihrem Gesicht auf, doch als sie Sabri lachen sah, kehrte das alte Lächeln wieder zurück. Mit einem kleinen Menuetteschritt drehte sie sich um die eigene Achse und begrüßte ihn, den Rockzipfel mit beiden Händen hochgehalten.

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