Das Uhrenstellinstitut von Ahmed Hamdi Tanpɪnar, 2008, Hanser

Ahmed Hamdi Tanpɪnar

Das Uhrenstellinstitut
(Leseprobe aus:
Das Uhrenstellinstitut, Roman, 2008, Hanser - Übertragung Gerhard Meier).

Als ich wieder in meinem Büro war, fasste ich mich mit beiden Händen am Kopf und tastete mich ab. Das hatte ich mir seit jenem denkwürdigen Abend in Büyükdere angewöhnt. Ich hatte nämlich andauernd das Gefühl, auf den Händen zu gehen und die Beine in die Luft zu strecken. Alles um mich herum schien einer verkehrten, mir unbekannten Logik zu gehorchen.

Nermin nahm das gar nicht wahr.

»Ein bezaubernder Mann, dieser Bürgermeister, nicht? Ich stricke ihm gleich einen Pullover, sobald ich mit dem von Onkel Halit fertig bin.«

Ich setzte gerade zu einer passenden Antwort an, als Dervi¸s Efendi mit dem Tablett voller Essen zurückkam.

Mir war nun klar, wie man die Sache mit dem Erfolg und mit dem Personal organisierte, doch bei der Aufstellung von Statistiken und insbesondere ihrer graphischen Umsetzung war ich noch recht unerfahren. Innerhalb weniger Tage brachte mir Halit Ayarcı auch das bei. Als ich eines Morgens ins Büro kam, saß er schon am Schreibtisch und arbeitete. Er hatte das Jackett ausgezogen und über die Stuhllehne gehängt. Mit aufgekrempelten Ärmeln war er über eine fast fertige Graphik gebeugt. Am Gesicht und den Schultern sah man ihm an, wie sehr er bei seiner Arbeit war. Ich trat hinzu.

»Na, geht’s voran?« fragte ich.

Er sah gar nicht auf.

»Jaja, so ist es … Von Beruf zu Beruf spielt der Gang der Uhren eine unterschiedliche Rolle. So kommt es zum Beispiel Arbeitern und kleinen Angestellten sehr darauf an, dass eine Uhr richtig geht. Bei Lehrern ist es ähnlich. Privatiers dagegen, Hausfrauen und insbesondere Dienstboten, also Leute, die außer ihrer Arbeit keine Arbeit haben …«

Unter Leuten, die außer ihrer Arbeit keine Arbeit hatten, konnte

ich mir nun gar nichts vorstellen.

»Ich meine Leute, die außer der Arbeit, zu der man sie nötigt, keine andere Beschäftigung haben. Oder die sich eben ganz und gar ihrerArbeit widmen. Eine Frau dagegen, die gerne liest, schreibt oder sich mit Musik beschäftigt, wird naturgemäß ihre Hausarbeit so schnell wie möglich hinter sich bringen. Sie hat ja etwas anderes vor. Zeit ist für sie daher etwas Kostbares. Frauen, die auswärts arbeiten, geht es genauso. Auch den Dienstboten, die als Tagelöhner arbeiten, während bei den anderen der Zeitbegriff viel schwammiger ist.«

Er beugte sich wieder über seine Graphik.

»Sind die Farben nicht schön? Das ist Nermins Werk. Ich habe ihr erklärt, wie sie vorzugehen hat, und dann hat sie in einer Nacht alles geschafft. Und ich ordne jetzt jeder Spalte eine bestimmte Berufsgruppe zu.«

Das kam mir nun aber allzu merkwürdig vor.

»Aber ich bitte Sie«, wandte ich ein, »muss man denn nicht genau umgekehrt verfahren? Also erst eine Untersuchung durchführen und damit Zahlen, also Ergebnisse, erhalten und dann erst die Spalten erstellen, in denen sich die Ergebnisse ausdrücken? Ich dachte zumindest, das mache man so.«

Halit Ayarcı sah mich an, als sehe er mich zum erstenmal.

»Das ist ein veraltetes Verfahren«, sagte er, »ein veraltetes und sinnloses. Nichts als Zeitverschwendung. Und es führt zu überhaupt nichts. Meine Vorgehensweise ist da viel angebrachter. Einen Irrtum schließt sie so gut wie aus, da sie eine Kontrolle ja nicht zulässt. Sehen Sie doch mal diese hellgelbe Spalte da, zwischen der roten und der violetten. Sie ist viel kleiner als die anderen. Nermin hätte sie auch ganz anders gestalten könnten. Tat sie aber nicht. Sie machte sie so und nicht anders. Und dafür muss es doch einen Grund geben. Ich habe sie heute morgen danach gefragt. Weiß ich nicht, hat sie gesagt, ist mir ganz spontan so gekommen. Spontan also. Alles Spontane ist richtig. Nun muss ich für diese Spalte eine Funktion finden, und darüber zerbreche ich mir schon eine halbe Stunde den Kopf. Und nun bitte ich Sie: Durch welchen Zählvorgang wollen Sie so nahe an die Wahrheit herankommen wie ich nun mit dem Berufsnamen, den ich meinem angestrengten Geist abringe? Die Zählerei täuscht einen nur. Sie bringt mangelhafte, geradezu lächerliche Ergebnisse hervor. Wie soll man überhaupt so etwas zählen können! Wenn alle Menschen einheitlich wären, dann würde auch ich an die Statistik glauben. Wozu also noch die Mühe? Ich werde jetzt mit dieser gelben Spalte zum Ausdruck bringen, wie wenig das Zeitgefühl bei Schwerkranken ausgeprägt ist, nämlich sechsmalweniger als bei den Leuten, die an ihrem Bett wachen. Und dieser kurze schwarze Strich zeigt an, dass für Tote die Zeit überhaupt keine Bedeutung mehr hat.«

»Na ja, aber muss man das extra betonen? Etwas so völlig Natürliches?«

»Ich denke schon. Gerade das muss man betonen. Denn wenn wir das nicht tun, wie sollen wir dann den Leuten beibringen, dass das Interesse für Zeit und Uhr ganz eng mit einem bewussten Leben verknüpft ist? Schon seltsam, Sie reden daher, als wüssten Sie gar nicht, wozu unser Institut überhaupt gegründet wurde! Wir bringen hier einen gesellschaftlichen Prozess in Gang. Wir leisten einen Dienst mit alledem. Oder glauben Sie etwa, ich hätte sonst im Leben nichts anderes zu tun?«

»Sie wohl schon, aber ich nicht. Und zwar noch nie. Wenigstens das weiß ich mit Bestimmtheit.«

Halit Ayarcı legte letzte Hand an seine Graphik. Dann wandte er sich wieder mir zu.

»Lassen Sie das jetzt. Sie werden sich schon noch daran gewöhnen, irgendwann einmal. Die Antwort, die Sie dem Bürgermeister gegeben haben, war ja perfekt.«

»Nein, was Sie gesagt haben, war perfekt.«

»Er ist ein alter Freund von mir, wir waren zusammen auf der Schule, und seither ist der Kontakt nie abgerissen.«

»Da ist nur eines …«

»Ja, was denn?«

»Die Sache mit dem Erfolg hat mich etwas verwirrt. Wir haben doch noch gar nichts geleistet.«

»Da irren Sie sich, mein lieber Hayri. Der erste Schritt ist der wichtigste, und den haben wir getan. Schauen Sie doch mal, unter welchen Umständen wir dieses Institut gegründet haben, in was für einem kleinen Büro wir uns an so Großes heranwagen, ist etwa nicht allein das schon ein Erfolg?«

Dann sah er mich plötzlich durchdringend an.

»Hayri, warum glauben Sie eigentlich nicht an uns?« fragte er.

Ich schielte zu meinen Habseligkeiten hinüber, die ich auf meinem Schreibtisch abgelegt hatte. Es war vermutlich der Moment gekommen, den Schreibtisch zu räumen und zu gehen. Halit Ayarcı erriet wohl meine Gedanken, denn er lächelte mir aufmunternd zu.

»Nein, nein, keine Sorge, ich möchte Sie nicht loswerden. Wir werden hier noch gemeinsam jede Menge Arbeit leisten. Ich möchte lediglich herausfinden, woran es liegt, dass Sie nicht an uns glauben.«

»Nun ja, mir kommt es eben so vor, als hätten wir gar nichts Richtiges zu tun.«

»Etwas Richtiges? Was meinen Sie denn damit? Etwas, woran jeder glaubt und was jedem auf Anhieb einleuchtet? Die Arbeit eines Trägers etwa! Der hat eine Last, und die bringt er von einem Ort zum anderen.«

»Ist es nicht so einfach?«

»Mit Ihrer Logik und Ihrer Herangehensweise lässt sich doch schlichtweg an allem herumkritteln! Sobald man zehn Minuten oder auch gar nur fünf oder drei Minuten über etwas nachdenkt, kann man es schon ins Lächerliche ziehen. Alles wirkt auf einmal sinnlos, wenn man es nur ein bisschen unter die Lupe nimmt.«

Er überlegte eine Weile. Dann wandte er sich wieder der Graphik zu. Er stand auf, um sie aus größerem Abstand anzusehen. Dann drehte er sich zu mir um.

»Mein lieber Freund, das Arbeiten ist erst nach uns auf die Welt gekommen. Eine Arbeit wird von dem erfunden, der sie dann erledigt. Und wir haben eben diese Arbeit erfunden. Glauben Sie etwa, die sei nun nichts Richtiges, nur weil sie zuvor noch nie oder noch nie so erdacht worden ist? Wir leisten hier eine Arbeit, und zwar eine sehr wichtige. Arbeiten heißt, Herr über seine Zeit sein und sie richtig verwenden. Wir sorgen dafür, dass das möglich ist. Wir werden unserer Umgebung ein Bewusstsein für die Zeit vermitteln und dazu eine Menge neuer Begriffe und Gedanken in die Welt setzen. Wir werden sagen, dass der Mensch sich vor allem durch die Arbeit definiert und diese sich wiederum durch die Zeit. Soll das etwa immer noch nichts Richtiges sein?«

Er konnte einen schon beeindrucken. Beim Reden atmete er heftig, als mache ihm eine schwere Last zu schaffen.

»Ich glaube, dass Sie noch immer der Uhr als solcher verhaftet sind und vernachlässigen, was alles dahintersteckt. Die Uhr ist ein Mittel, ein Werkzeug und selbstverständlich ein wichtiges. Der Fortschritt beginnt mit der Vervollkommnung der Zeitmessung. Als die Menschen allmählich ihre Uhren in der Tasche herumtrugen und nicht mehr auf die Sonne angewiesen waren, tat die Zivilisation damit einen großen Sprung. Sie löste sich von der Natur. Es setzte ein unabhängiges Zeitmessen ein. Das aber ist nicht genug. Wir müssen stets daran denken, dass Zeit und Uhr das gleiche sind!«

Es war wohl das beste, wieder zur alten Leier zurückzukehren.

»Sie wissen ja, dass ich ein unwissender Mensch bin. Meine ganze Weisheit habe ich von Nuri Efendi, von Doktor Ramiz und von Ihnen.

Was ich eben so aufgeschnappt habe. Woher soll ich also über all das

Bescheid wissen?«

Halit Ayarcı lachte auf.

»Jetzt stellen Sie mal Ihr Licht nicht unter den Scheffel! Ich möchte behaupten, dass Sie sogar eine ganze Menge wissen. Unintelligent sind Sie ja nicht. Sie haben lediglich keinen Glauben, das ist der Pferdefuß. Sie sind immer auf der Suche nach dem Absoluten.

Für einen Uhrmacher, also jemanden, der sich mit etwas so Relativem wie der Zeit befasst, ist das eigentlich ein Unding. Es ist mir wirklich unbegreiflich.«

Er packte mich wieder an der Schulter und schüttelte mich.

»Sie müssen sich ändern, lieber Hayri, Sie müssen sich ändern! Das Uhrenstellinstitut braucht vor allen Dingen Menschen, die daran glauben.«

Dann sprang er wieder hoch und setzte sich auf den Boden. Den Stuhl, auf dem er gerade gesessen hatte, packte er an einem Bein ganz unten und hob ihn in die Höhe. Ohne den Arm zu beugen, stand er dann damit auf und ging so im Zimmer umher. Dann legte er den Kopf zurück, setzte sich das Ende des Stuhlbeins auf die Nase und balancierte den Stuhl mit ausgebreiteten Armen langsam durch den Raum.

Als er ihn wieder herabließ, atmete er tief durch. Mir war bis dahin noch gar nicht klargeworden, was für ein ansehnlicher Mann er doch war. Er war wirklich sehr gutaussehend und außergewöhnlich geschickt. Überall sah man seine Muskeln spielen.

»Warum applaudieren Sie mir denn nicht? Weil Sie allzu verblüfft sind, was? Von solchen Kunststückchen habe ich etwa achtzig auf Lager. Wenn ich wollte, könnte ich in jedem Zirkus eine Anstellung finden. Ich habe mich aber statt dessen für das Uhrenstellen entschieden. «

Er schlug auf den Tisch.

»Und ich werde sie stellen, diese Uhren! Und Sie werden es mit mir tun!«

Dann setzte er sich wieder und ließ mich vor sich hin treten.

»Wir haben Doktor Ramiz vergessen. Wir brauchen eine Arbeit für ihn. Er geht übrigens auf mein Konto. Undwen schlagen Sie vor?«

»Ich weiß nicht.«

Ich wusste wirklich nicht, was ich sagen sollte, da ich gar nicht verstanden hatte, wovon er eigentlich redete. Sowieso begriff ich überhaupt nichts mehr. Mir drehte sich der Kopf, als sei ich seekrank. Halit Ayarcı jedoch verlor nicht die Geduld mit mir.

»Schauen Sie, es ist folgendermaßen. Die Hälfte der Belegschaft wird von uns selbst gestellt, das hatten wir doch neulich ausgemacht. Immer einer von uns und einer von ihnen. Und da wir zu zweit sind und ich gerade eine Person vorgeschlagen habe, dürfen nun Sie eine vorschlagen. Somit geht eben Ramiz auf mein Konto.«

Ich war erleichtert. Wir spielten also eine Art Familienspiel.

»Dann nehme ich Asaf den Faulen.«

»Schön, und für welche Aufgabe? Allein der Name ist ja schon ganz entzückend. Doktor Ramiz wird berufshalber in der Koordination arbeiten. Wo soll Ihrer Meinung nach Asaf der Faule hin?«

»In irgendeine Abteilung, die Rädchenabteilung zum Beispiel.«

»Ist er dort brauchbar?«

»Na, früher war er mal Zahnarzt.«

»Und jetzt nicht mehr?«

»Nein, als er mal von einem Patienten in die Hand gebissen wurde, gab er seinen Beruf einfach auf. Ohnehin arbeitete er nicht gern, sondern schlief viel lieber. Wenn er im Kaffeehaus döste oder tratschte, wurde er manchmal von einem seiner Dienstboten gerufen, wenn ein Patient eintraf, und dann musste er erst einmal richtig wach werden, bevor er sich auf den Weg machte. Da die Patienten meist nicht so lange Geduld hatten, kam er gleich wieder zurück. Ich denke, er wird unser Angebot nicht ablehnen.«

Ich dachte, diese Geschichte würde Halit Ayarcı amüsieren, doch das schien nicht der Fall zu sein.

»Ein bemerkenswerter Mann«, sagte er nur in ganz ruhigem Ton.

»An dem ist bestimmt was dran. Und bestimmt wird es bei uns auch eine Aufgabe für ihn geben, die er meistern kann. Aber wir stellen ihn erst mal zurück. Schlagen Sie einen anderen vor.«

»Der Dichter Ekrem. Er mag mich sehr und ich ihn auch. Er ist so um die Dreißig.«

»Das ist gut. Was macht er denn so?«

»Er hat bis jetzt so gut wie noch gar nichts gearbeitet.«

»Hervorragend. Also ein junger unverbildeter Mensch. Den nehmen wir. Um Asaf kümmern wir uns später! Noch ein Vorschlag?«

»Zehra kann ich nicht gut sagen, die unterstützt nur Nermin.«

»Unser Stammpersonal muss weiter wachsen. Solange wir die Organisation noch nicht ganz durchgesprochen haben, kann ich den Behörden keine genaue Zahl sagen. Wir müssen so viel Personal haben wie nur möglich. Gut etablierte, in sich ruhende Einrichtungen flößen Vertrauen ein. Deshalb kommt es mir auch so sehr auf eine wohlgeordnete Organisation an. An den Namen unserer einzelnen Bereiche soll augenblicklich abzulesen sein, was mit den Begriffen Uhr und Zeit eigentlich gemeint ist. Jeder soll sofort merken, was hier getan wird. Deshalb müssen Sie jetzt schon über Leute nachdenken, die die Aufgaben erfüllen könnten, die wir ihnen gegebenenfalls einmal anvertrauen sollten.«

»Wäre es nicht vernünftiger, erst mal mit einem enger gefassten Stab von Leuten zu beginnen?«

»Unmöglich.«

»Bei Bedarf könnten wir das Personal dann erweitern.«

»Nein. Sie verlangen nichts anderes von mir, als dass ich mit einem Schiff in See steche, das nur über ein Steuer und einen Schlot verfügt. Nein, ein richtiges Schiff ist eine Einheit. Es hat einen Motor, eine Reling, ein Deck und was weiß ich noch alles, eine Kajüte, eine Kapitänsbrücke. Und das gehört alles zusammen. Vom Kapitän bis hin zur Schiffsratte! Suchen Sie mir also für mein Schiff Matrosen, Passagiere und Ratten, verstanden? Mit einem unzureichenden Personalbestand bringen wir überhaupt nichts zuwege. So ein Institut ist ein lebendiges Wesen. Es braucht einen Magen, braucht Arme, Beine. Ich gehe sogar noch weiter und behaupte, dass wir auch überflüssige Leute brauchen.«

»Und wozu das?« fragte ich todesmutig.

»Damit wir sie entlassen können, wenn es nötig ist. Sie wissen ja selbst, dass auf der ganzen Welt öffentlichen und halböffentlichen Einrichtungen ein großes Misstrauen entgegengebracht wird. Allenthalben wird zu Einsparungen aufgerufen, und es werden auch entsprechende Beschlüsse gefasst. Falls wir also zu solchen Maßnahmen greifen müssen, was sollen wir dann tun? Etwa unsere Freunde und Verwandten opfern? Keineswegs. Ich bin vielmehr der Auffassung, wir sollten ein paar Sündenböcke einstellen. Sie wissen schon, wie bei den Juden in alten Zeiten, die Jahr für Jahr einen mit allen Sünden beladenen Geißbock in die Wüste schickten. Nötigenfalls werden wir das auch machen. Man muss eben an alles schon im voraus denken. Zwei Jahre nach Gründung unseres Instituts können wir plötzlich der Verschwendung geziehen werden. Das heißt, dass wir ein paar Leute brauchen, mit denen wir der öffentlichen Meinung unseren guten Willen beweisen können. Sollen wir dann etwa losen?
Obwohl, das könnten wir auch machen. Dennoch sollten wir von vornherein auf der Hut sein und schon ein paar Leute an der Hand haben, so von der Art, auf die man in jeder Einrichtung gut und gerne verzichten kann und die dann leicht zu entlassen sind. Dann brauchen wir auch kein schlechtes Gewissen zu haben. Außerdem brauchen wir noch Personal für unsere Uhrenstellstationen.«

Während er so redete, ging er unentwegt im Raum umher. Uhrenstellstationen waren kleine Standorte, die man aufsuchen konnte, wenn einem unterwegs die Uhr stehengeblieben war. Gegen ein kleines quittiertes Entgelt sollten dort junge Damen die Uhren von Männern und junge, gutaussehende männliche Mitarbeiter die Uhren von Frauen aufziehen und richtig stellen. Die ersten Stationen sollten auf belebten Straßen vornehmer Stadtteile entstehen, und dann sollte nach und nach in entlegenere Viertel vorgedrungen werden.

Die beiden ersten Stationen eröffneten wir dann in Galatasaray und in Te¸svikiye. Für solch eine Unternehmung war laut Halit Ayarcı natürlich ein umfassender Mitarbeiterstab erforderlich, der auch ganz bestimmte Voraussetzungen mitbrachte. Die Leute, die – während sie mit dem ursprünglichen Anliegen des Kunden beziehungsweise Interessenten beschäftigt waren – auch die eigentlichen gesellschaftlichen Ziele des Uhrenstellinstituts erläutern sollten, mussten intelligent, freundlich und kontaktfreudig sein.

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