Nichts, nichts von Bernhard Strobel, 2010, Droschl

Bernhard Strobel

Nichts, nichts
(Zitat aus:
Nichts, nichts, Erzählungen, 2010, Literaturverlag Droschl).

"Ich muss zugeben, dass mich ihre Verzweiflung berührte. Sie sagte, sie könne nicht begreifen, dass jemand Spaß daran fände, sich selbst öffentlich so darzustellen. Dann fragte sie, ob ich je von diesem bekannten Kriminologen gehört habe, der hin und wieder im Fernsehen auftrete, von ihm habe sie ein Zitat, nein, nicht direkt von ihm sondern er habe wiederholt einen berühmten Schriftsteller zitiert, dessen Name ihr entfallen sei, jedenfalls heiße es da, dass es Menschen gebe, die in Erfahrungswelten leben, die andere nicht betreten können. Und dass sie sich jetzt vorstellen könne, was damit gemeint sei. Ich war kurz davor, ihr meine Hand auf den Unterarm zu legen. Aber dann dachte ich: sie hätte nicht von diesem Kriminologen sprechen müssen, sie hätte den Schriftsteller auch direkt zitieren können, ohne ihrer Äußerung einen dunklen Beigeschmack zu geben. Und zog die Hand wieder zurück."

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