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Ich hätte auch nicht mitfahren müssen damals,
am Tag danach. Eigentlich wollten wir zu viert fahren, aber Tobias, der die
ganze Aktion angeschoben hatte, ist zwei Tage vorher abgesprungen, er mußte plötzlich
weg, ausgerechnet zu einer Beerdigung. Kathrin war für die Sache von vornherein
nicht zu haben gewesen. Ich hätte mir nur etwas ausdenken müssen im letzten
Moment, irgendeine Unpäßlichkeit, Bauchschmerzen, Übelkeit. Eine plötzliche
Anwandlung zarten Gemüts.
Oder irgendeine Hausarbeit. Ich hätte ihr sogar sagen können, ich kann heute
keine Pärchen um mich haben und schon gar keine glücklichen, sie hätte mich
verstanden, als beste Freundin, sie hätte es sogar übersetzt für ihn, für
mich, und er hätte sich dann seinen Teil dazu denken können. Statt dessen
stand ich schon fertig angezogen und abfahrbereit im Flur, als sie am Morgen
klingelte, um mich abzuholen. Daniel wartete im Auto mit laufendem Motor, nur
ein kurzes Lächeln getauscht, hin und zurück, schief wir alle beide.
Natürlich saß Philippa vorne neben ihm, und ich kletterte nach hinten durch
auf die Rückbank. Ich habe kurz überlegt, ob mir vielleicht schlecht werden könnte,
wenn ich hinten sitze, sie hätte sofort mit mir getauscht und mir ihren Platz
überlassen. Ich bin aber doch hinten geblieben. So hatte ich wenigstens den Überblick.
Die obligatorische Frage, wie es denn noch war gestern abend, ob wir noch lange
geblieben sind, gestern, nachdem sie gegangen war, hatte sie anscheinend schon
vorher gestellt. Ich weiß auch nicht, was ich darauf geantwortet hätte. Statt
dessen sprachen wir über Themen, die nichts mit uns zu tun hatten. Jedenfalls
nicht mit uns jetzt …
Ich glaube, ich habe die ganze Fahrt über geredet. Als müßte ich mir selbst
beweisen, daß ich noch da bin, da hinten auf der Rückbank. Ab und zu schob sie
ihre Hand unter seinen Oberschenkel, und er lächelte ihr zu. Aber jedesmal,
wenn er in den Rückspiegel sah, trafen sich unsere Blicke, und dieses
Zwischen-uns war mit im Wagen, breitete sich aus und nahm sich Raum und blieb,
wie in einem Käfig, aus dem es nicht mehr raus konnte, genausowenig wie ich.
Die ganze Fahrt über hatte ich sie da vor mir, das perfekte Paar, als wollte
ich mich selbst bestrafen.
Rezension I Buchbestellung I home III07 LYRIKwelt © Liebeskind