Das Zebra hat schwarze Streifen, damit man die weißen besser sieht von Johanna Straub, 2007. Liebeskind

Johanna Straub

Das Zebra hat schwarze Streifen, damit man die weißen besser sieht
(Leseprobe aus: Das Zebra hat schwarze Streifen, damit man die weißen besser sieht, Roman, 2007, Liebeskind)

Ich hätte auch nicht mitfahren müssen damals, am Tag danach. Eigentlich wollten wir zu viert fahren, aber Tobias, der die ganze Aktion angeschoben hatte, ist zwei Tage vorher abgesprungen, er mußte plötzlich weg, ausgerechnet zu einer Beerdigung. Kathrin war für die Sache von vornherein nicht zu haben gewesen. Ich hätte mir nur etwas ausdenken müssen im letzten Moment, irgendeine Unpäßlichkeit, Bauchschmerzen, Übelkeit. Eine plötzliche Anwandlung zarten Gemüts.
Oder irgendeine Hausarbeit. Ich hätte ihr sogar sagen können, ich kann heute keine Pärchen um mich haben und schon gar keine glücklichen, sie hätte mich verstanden, als beste Freundin, sie hätte es sogar übersetzt für ihn, für mich, und er hätte sich dann seinen Teil dazu denken können. Statt dessen stand ich schon fertig angezogen und abfahrbereit im Flur, als sie am Morgen klingelte, um mich abzuholen. Daniel wartete im Auto mit laufendem Motor, nur ein kurzes Lächeln getauscht, hin und zurück, schief wir alle beide.
Natürlich saß Philippa vorne neben ihm, und ich kletterte nach hinten durch auf die Rückbank. Ich habe kurz überlegt, ob mir vielleicht schlecht werden könnte, wenn ich hinten sitze, sie hätte sofort mit mir getauscht und mir ihren Platz überlassen. Ich bin aber doch hinten geblieben. So hatte ich wenigstens den Überblick.
Die obligatorische Frage, wie es denn noch war gestern abend, ob wir noch lange geblieben sind, gestern, nachdem sie gegangen war, hatte sie anscheinend schon vorher gestellt. Ich weiß auch nicht, was ich darauf geantwortet hätte. Statt dessen sprachen wir über Themen, die nichts mit uns zu tun hatten. Jedenfalls nicht mit uns jetzt …
Ich glaube, ich habe die ganze Fahrt über geredet. Als müßte ich mir selbst beweisen, daß ich noch da bin, da hinten auf der Rückbank. Ab und zu schob sie ihre Hand unter seinen Oberschenkel, und er lächelte ihr zu. Aber jedesmal, wenn er in den Rückspiegel sah, trafen sich unsere Blicke, und dieses Zwischen-uns war mit im Wagen, breitete sich aus und nahm sich Raum und blieb, wie in einem Käfig, aus dem es nicht mehr raus konnte, genausowenig wie ich. Die ganze Fahrt über hatte ich sie da vor mir, das perfekte Paar, als wollte ich mich selbst bestrafen.

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