Die Freibandclique von Oliver Storz, 2008, SchirmerGraf

Oliver Storz

Die Freibadclique
(Leseprobe aus: Die Freibandclique, Roman, 2008, SchirmerGrafVerlag).

„Irgendwie waren wir missraten. Wir schwänzten Schule und HJ-Dienst, nachts lauschten wir unter Wolldecken verborgen den Feindsendern, wo Benny Goodman, Duke Ellington und Glenn Miller spielten, kurz wir taugten nichts, jedenfalls nicht zu Helden…“
Sommer 1944, irgendwo im Schwäbischen: Knuffke, Bubu, Zungen-Kuss, Rosenacher („Hosenmacher“) und der Erzähler sind fünfzehn, und ihnen steht der Sinn nach allem mehr als nach Nationalismus. Sie wollen wissen, wie das mit den Mädels ist, wie man die Penne hinter sich bringt und um die SS-Werber herumkommt. Aber sie ahnen, dass es, trotz ihrer gut trainierten Lässigkeit, ums Überleben geht. Als sie dann im April 45 doch noch zum Volkssturm müssen, sind sie bald nur noch zu dritt; Rosenacher geht verschütt, Zungen-Kuss hatte es zuvor auf einem Maisfeld am Westwall erwischt. Als die drei übrigen unter Lebensgefahr türmen, haben sie keine Ahnung, was ihnen zu Hause blüht, vielleicht ist die US-Army ja auch schon da…Und acht Wochen später, als die Schule wieder los geht und man wieder auf den alten Bänken sitzt, kommt der stotternde Studienrat herein und fragt: „Wo wa-waren wir stehen geblieben?“

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