Der gefrorene Rabbi von Steve Stern, 2010, Blessing

Steve Stern

Der gefrorene Rabbi
(Zitat aus: Der gefrorene Rabbi, Roman, 2010, Blessing - Übertragung Friedrich Mader).

"Irgendwann während seines rastlosen fünfzehnten Lebensjahrs entdeckte Bernie Karp in der Gefriertruhe seiner Eltern – einem weiß emaillierten Kelvinator, der in der Ecke des Hobbyraums im Keller vor sich hin brummte – einen alten Mann in einem Eisblock. Eigentlich hatte er nach einer Scheibe Fleisch gesucht, allerdings nicht, um sie zu essen.
Nachdem er seinen Eltern vor Kurzem ihre Ausgabe eines Skandalromans der Sechziger stibitzt hatte, in dem der jugendliche Held mit einem Stück Leber verkehrt, fühlte sich Bernie dazu bewogen, ihm nachzueifern. Sich selbst zu berühren war ihm keineswegs fremd, doch er wagte kaum davon zu träumen, einen anderen Menschen zu berühren, so unerreichbar schienen ihm die Körper junger Mädchen. Bisher hatte er so etwas wie physische Intimität nur mit dem Staubsauger seiner Mutter, zahllosen Socken und einem aus dem Korb mit Schmutzwäsche im Badezimmer entwendeten orchideenrosa Höschen seiner älteren Schwester erlebt."

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