Frau Reinelt
(Leseprobe aus:
Frau Reinelt, Roman,
Achilla
Presse - Übertragung Klaus Schmirler).
ERSTES KAPITEL
Es braucht Mut zum
Mutigsein sagte Frau Reinelt.
Sie sagte es war immer Sonntag und jetzt war es Dienstag.
Wenn es Sonntag und Dienstag wäre, dann wäre es doch ein Tag zuviel.
Frau Reinelt seufzte nie, sie weinte manchmal aber sie seufzte nie.
Die ganze Welt weiß wie man weint aber nicht die ganze Welt weiß wie man seufzt.
Seufzen ist besonders.
Frau Reinelt war eine hübsche Frau und sie war immer nur gesund gewesen.
Ihr Mann war ein netter Mann er sah nett aus und er war nett.
Er war nicht gesund und kräftig aber er kam sehr gut zurecht.
Sie waren ein gutaussehendes Paar und sie hatten ihr Leben begonnen und so lebten sie
eben. Sie hatten so gelebt.
Sie hatten eine Schwägerin namens Esperanza die die Frau von Herrn Reinelts jüngerem
Bruder war.
Frau Reinelt hatte gern wenn Rosen Rosen waren. So dachte sie über Rosen. Sie dachte
über alle Rosen so.
Sie hatte einen Neffen, der war still und arbeitete von morgens bis abends, er arbeitete
gern. Er hatte immer einen anderen Jungen gekannt der auch still war nicht ganz so still
aber still und der nicht ganz so gut von morgens bis abends arbeitete aber gut genug. Sie
hatten sich immer gekannt, sie sind zusammen zur Schule gegangen, sie waren beide
fünfundzwanzig Jahre alt und dann wurden sie beide Soldaten und sie wurden beide von
einer Bombe am gleichen Tag getötet.
Frau Reinelt tat das sehr leid, ihre Augen waren voller Tränen und sie sagte er wäre
tot, ihr war klar daß er tot war weil ihnen gesagt wurde daß er tot war. Sie waren beide
tot.
Frau Reinelt und ihr Mann hatten nichts gegen Wind und Regen, sie hatten nichts gegen
Hitze, sie mochten Schnee nicht so besonders, Herr Reinelt blieb dann im Haus und Frau
Reinelt konnte dann nicht sehr weit gehen, sie sprachen oft über Datteln im Kuchen und
sie sprachen oft über Brot in der Suppe, sie sprachen auch oft über Eier und Butter aber
am häufigsten sprachen sie über Perlhühner und Gänse. Das hatten sie von allen
Gesprächsthemen am liebsten. Natürlich hörten sie Nachrichten, sie hatten einen also
nicht richtig adoptierten Sohn, aber einen der nie einer werden könnte und der hieß
Roger.
Sie verloren oft einen Hund, das heißt er überlebte nicht und das betrachteten sie als
großes Unglück.
Frau Reinelt beschwerte sich nie aber sie erzählte es.
Frau Reinelt war still und unkompliziert, wenn sie sagte gut, meinte sie gut. Wirklich.
Frau Reinelt geht nicht nur über Rosen, es ist mehr über Dienstage als über Rosen. Frau
Reinelt hatte viele Arten Dienstage. Es gab die Dienstage die nach Montagen kamen, es gab
die Dienstage die vor Mittwochen kamen, es gab die Dienstage die nach den ersten Sonntagen
kamen es gab eine große Vielfalt von Dienstagen und alles fing mit dem Dienstag an dem
Frau Reinelt geboren wurde. Das war ein Dienstag.
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