Fröhliche Verse von Hans Starcke, 1918

Hans Starcke

Der Hosenrock
(Leseprobe aus: Fröhliche Verse, 1918, Verlag Peitz Nachf.)

AIs ich gestern durch die Rathausgasse
schnellen Schrittes wollt nach Hause gehn,
sah ich plötzlich eine ganze Masse
Menschen vor dem Koch'schen Laden stehn.

Näher trat ich. Neugier kann nicht schaden.
Doch ich kriegt' schier einen Nerven-Schock,
als ich sah in dem bewußten Laden
einen vertiabeln H o s e n r o c k!

Also ist "Er" auch zu uns gekommen
aus Paris, der Modesündenstadt,
wo mit Jubel er ward aufgenommen,
wie man sieft in jedem Modeblatt.

Nun - nachdem ich mannhaft überwunden
meinen Chok, hab' ich mir's nicht verhehlt:
nach den Röcken, die man z u g e b u n d e n,
hat der Hosenrock uns noch gefehlt!

"Hosebrock" - bedeutungsvoller Name! -
Mann und Weib vereinigt Sich darin,
und so wird in Zukunft jede Dame
halb Suleika und halb Harlekin!

Wie graziös von vorne wie von hinten I
Und dabei dezent und sehr bequem.
Und wenn Taschen sich darin befinden,
wär' er praktisch - auch noch außerdem!

Namentlich - wer wollte das verneinen?
Muß er jenen Damen prachtvoll steh'n,
die Natur mit - nicht ganz g'raden Beinen
und mit etwas "Fülle" hat verseh'n!

Nur das eine ist mir unverständlich,
was mir darum Kopfzerbrechen schafft:
wie wird - wenn das Wetter feucht und schändlich -
eigentlich solch' Hosenrock gerafft?

Nimmt zu Hilfe man die beiden Hände
und verzichtet auf den Parapluie?
Oder krempelt auf man gar am Ende
jene Beinbehülsung bis zum Knie?

Ach, - das wüßt' ich für mein Leben gerne,
doch ich sage mir zu meinem Trost,
hoffentlich ist ja die Zeit nicht ferne,
wo auch Jena's Damen "rockbehost!"! - -

Sicherlich - mich wird das nicht erbosen,
denn ich denk' als ökonom' scher Mann:
nächstens zieh' die abgelegten Hosen
Ich von meiner "teuren" Gattin an!

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