Michael Starcke

jahresbuch

das neue lässt sich nicht
aufschlagen, als wäre
die zeit davor abgestürzt
und für immer verschüttet.

noch sind seine seiten leer,
frei von hin gekritzelten
einträgen und
erinnerungsergüssen,
gerettet aus dem feuern
der eindrücke im überschwang.

noch kann es guten
glaubens sein, ideen
und gedanken aufzunehmen,
die mit jedem wort
den lauf der geschichte
ändern könnten als
erste schritte im kleinen.

noch zeigt es keinen fettdaumen
oder abnutzungserscheinungen.
noch ist sein papier fest, glatt
und, frei von kniffen, nicht
eingeknickt vor den tränen,
die es vielleicht später
überraschend aufsaugen muss.

noch wiegt es in der hand leicht
wie ein unbeschriebenes blatt.

Rezension I Buchbestellung 0I16 LYRIKwelt © M.St.